Zwei neue Gutachten bestätigen: Keine Gefahr durch Boddenerwärmung

Übersicht

(Pressemeldung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz vom 30.09.2008)

Wirklich?

Durch Minister Backhaus wurden am 15.07.2008 zwei neue Gutachten in Auftrag gegeben:

1. An das Hygiene-Institut des Ruhrgebiets Gelsenkirchen, Institut für Umwelthygiene und Umweltmedizin Geschäftsführender Direktor: Prof. Dr. L. Dunemann:

Auswirkungen der Einleitung von Kühlwasser durch das geplante Steinkohlekraftwerk Lubmin in den Greifswalder Bodden auf die Qualität des Badewassers und das aquatische Ökosystem des Greifswalder Boddens


2. An das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Universität zu Lübeck
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Direktor: Prof. Dr. med. Werner Solbach:

Gesundheitliche Auswirkungen der von dem geplanten Steinkohlenkraftwerk emittierten Luftschadstoffe unter besonderer Berücksichtigung des Kurort- Status der angrenzenden Gemeinden.

Beide Studien sind veröffentlicht und hier nachzulesen.

In einer Pressemeldung des Umweltministeriums ist u.a. folgendes zu lesen: Übersicht

zu 1. Prognostiziert wird, dass die Einleitung des Kühlwassers den kritischen Zeitraum für das Vorkommen von potenziell menschenpathogenen Vibrio vulnificus-Bakterien vermutlich verlängern wird. Der Gutachter empfiehlt daher, über die in der Badewasser-Richtlinie der EU genannten Parameter hinaus routinemäßig alle 14 Tage quantitativ zu untersuchen und das Risiko zu bewerten. Er erwartet keine erhöhten Gesundheitsrisiken bei Legionellen und bewertet eine erhöhte Gefährdung durch Blaualgen (Cyanobakterien) und Makrophyten als nicht wahrscheinlich.

Zu 2. Übersicht Der Gutachter geht davon aus, dass es im Gewässer lokal zu Schichtungen mit Sauerstoffmangelerscheinungen (Hypo-/Anoxie) kommen könne, deren Dauer und Ausmaß sehr unterschiedlich erwartet werden. Angrenzende Flachwasserbereiche könnten betroffen sein, lokale Fischsterben erscheinen möglich. Sauerstoffmangel könnte Auswirkungen auf das Keimspektrum haben, was allerdings für die Strandbereiche als unwahrscheinlich erachtet wird, weil dort keine stabilen Schichtungen auftreten dürften. Massenentwicklungen bestimmter Organismen durch Sauerstoffmangel würden dagegen nicht erwartet, da als limitierend hierfür eher die Nährstoffverfügbarkeit gelte.

Dann ist in der Pressemeldung noch zu lesen:

Übersicht 3. "Gutachterliche Stellungnahme zu den gesundheitlichen Auswirkungen der von dem geplanten Steinkohlekraftwerk Lubmin emittierten Luftschadstoffe" sowie federführende Betreuung der Gesamtstudie durch Übersicht Prof. Dr. rer. nat. Ulrich Ewers, Hygiene-Institut des Ruhrgebiets und apl. Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Vorsitzender der Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes.

Übersicht

Der Gutachter erwartet keine bedeutsamen Veränderungen zu der bereits vorhandenen Immissionsbelastung. Die Abweichungen dürften im Bereich der typischen Schwankungen im Jahres-, Tages- oder Stundenverlauf liegen oder im Bereich der Messunsicherheiten der Messverfahren. Eine messtechnisch nachweisbare Verschlechterung der Luftqualität wird daher nicht erwartet. Selbst bei Zugrundelegung von worst-case-Annahmen werden keine Auswirkungen prognostiziert, die eine Prädikatisierung der betrachteten Gemeinden als Kur- und Erholungsorte in Frage stellen würden.

Quecksilber dürfte ganz überwiegend über den Wasserpfad emittiert werden, dies in quantitativ durchaus erheblichem Umfang. Eine kritische oder gar gesundheitsschädliche Anreicherung von Quecksilber in Fischen des Boddens wird allerdings nicht erwartet.

Eine detailliertere Betrachtung der Feinstaub-Emissionen hält der Gutachter für obsolet, da die Vorbelastung sehr gering und durch das Vorhaben keine relevante Erhöhung der Feinstaub-Immissionskonzentrationen zu erwarten sei. Gesundheitlich relevante Wechselwirkungen der Luftschadstoffe seien ebenfalls nicht zu erwarten. Ein zusätzliches Krebsrisiko durch Krebs erzeugende Schwermetallverbindungen hält der Gutachter für so gering, dass es empirisch nicht erkenn- oder nachweisbar sei.

Im Übrigen sei nicht davon auszugehen, dass wesentliche Schadstoffparameter nicht berücksichtigt wurden. Die heran gezogenen Beurteilungswerte werden als aktuell und plausibel eingestuft.

Na also Leute, wozu dann die ganze Aufregung der BI? Alles in grünen Bereich!

Mitnichten, sagen Experten und sprechen von einem Gefälligkeitsgutachten. In einer ersten Stellungnahme von Dr. med. Kaufmann, Mitglied der BI und Facharzt für Innere Medizin und Lungenkrankheiten wird die o.g. Pressemeldung kritisiert. "Das Resümee:
Es ist nicht zu übersehen, dass die Pressemeldung durch eine falsche Information bei der Bevölkerung den Kraftwerkbau Gutreden will und bewußt die Gesundheitsgefahren
unterschlägt."

Die zweite Stellungnahme von Dr. med. Kaufmann betrifft die Feinstaubproblematik, sein ureigenes Arbeitsgebiet. Die angeführten Berechnungen weisen nach, dass nicht etwa nur im Umkreis weniger Kilomerter die Staubbelastung zunimmt, sondern in weiträumigen Bereichen die Lebenserwartung der Bevölkerung auf das Niveau einer Großstadt absinken würde.