Hoffnung und Zweifel in Sachen Kohle - von Andreas Zecher Lubmin. 

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass nach so viel Widerstand ein Investor, der auch ein Kohlekraftwerk bauen will, es wagt, hier Fuß zu fassen“, sagt Hildegard Hinsching. Nachdem der dänische Energiekonzern Dong Energy derartige Pläne auf dem Gelände des früheren Kernkraftwerkes aufgeben hat, hofft die Rentnerin, dass ihre Bürgerinitiative (BI) „Zukunft Lubminer Heide“ mit dazu beigetragen hat, dass alle Formen von umweltschädigender Investitionen auf Dauer einen Platzverweis erhalten haben. Seit zehn Jahren gibt es die BI und so lange ist auch Hildegard Hinsching dabei. Gegen einen Holzverarbeiter wurde zu Felde gezogen – bislang erfolgreich. Gegen die Abholzung des Küstenwaldes – das gelang nur teilweise. Die Pläne von Dong zu vereiteln, war die größte Herausforderung für die Lubminer. Dafür erhielten sie Unterstützung von Initiativen auf Rügen und Usedom sowie durch landesweite Protestbekundungen. Über allem stand: „Kein Steinkohlekraftwerk in Lubmin“. Seit 2006 gibt es die gleichnamige Initiative, die sich andere BI mit ins Boot geholt hat. Ihr Vorsitzender, Michael Woitacha, ist weniger hoffnungsfroh als Hildegard Hinsching. Er sagt, „noch ist keine endgültige Ruhe im Streit um die Kohlekraftwerkpläne in Lubmin eingekehrt“. Unterstützt durch das Wirtschaftsministerium, so Woitacha, suchten die Antragsteller und die verbliebene Betreibergesellschaft nach einem Ersatzinvestor, der für DONG Energy einspringen solle.

Deshalb werde die Option einer Klage gegen eine eventuelle Genehmigung eines Steinkohlekraftwerks in Lubmin weiterhin aufrecht erhalten. „Anstatt weiter mit den Menschen der Region zu streiten, sollte nun endlich ein schon lange gefordertes Gesamtkonzept für den Standort Lubminer Heide entwickelt werden. Dies haben die Verantwortlichen in ihrem Genehmigungseifer bisher gänzlich versäumt“, stellt Woitacha fest. Die Bürgerinitiativen, das wird dieser Tage deutlich, verfolgen das Geschehen auch im neuen Jahr aufmerksam und agieren entsprechend. Erst, wenn die Genehmigungsanträge zurückgezogen seien, habe man das große Ziel erreicht: Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin“. Bei diesem Gedanken wird in Hildegard Hinsching der Wunsch laut, „noch mal jung zu sein“. Im Verlaufe der vielen Aktionen sei sie mit ihren Mitstreitern immer professioneller geworden, sagt sie. Mittlerweile kenne man die Taktiken der anderen Seite, die darauf hinausliefen, den kleinen Leuten weis zu machen, es sei alles in Papier und Tüten. Dass Investoren wie Dong so agierten, nun ja, aber dass vom Volk gewählte Politiker dabei mitmachten, das habe sie arg enttäuscht sagt die Frau. Für die EX- DDR- Bürgerin Hildegard Hinsching war und ist die Arbeit in der BI unzweifelhaft eine Schule in Sachen Demokratie. „Ich habe begriffen, dass diese Errungenschaft nicht ohne das Zutun der Bürger fortbesteht. Die Zauberformel lautet: Wir sind das Volk“. Sie würde sich freuen, wenn in die Reihen der BI mehr junge Leute kämen, die dafür sorgen, dass der Druck von unten in Sachen Zukunft von Lubmin nicht nachlässt. Nur so habe ihre Hoffnung auf gutes Gelingen Bestand. 

Nordkurier.de am 05.02.2010