Ostsee-Zeitung l Donnerstag, 06. November 2008 | Hansestadt Greifswald l 250 Wörter
Surfen mit Botschaft

Greifswald Ingo Wettstein hatte sowieso geplant, zu einer Kundgebung vor den Schweriner Landtag zu fahren. Als seine Kumpel aus der Bürgerinitiative gegen das geplante Kohlekraftwerk ihm jedoch vorschlugen: „Da ist Wasser, da könntest du doch surfen“, war Wettstein sofort begeistert. „Für mich als Windsurfer lag es nahe, meinen Protest auf diese Art und Weise auszudrücken“, sagt er. Auf dem kleinen See am Schweriner Schloss wehte der Wind zwar nur schwach, trotzdem konnte er dort ein paar Runden drehen.

Der 39-jährige Tischler aus Greifswald versteht die Botschaft auf seinem Segel als Bekenntnis zu „modernen, intelligenten und regenerativen Energien.“ „Die kleinen Leute, die hier leben, haben nichts von dem Kraftwerk“, meint er, „Mecklenburg-Vorpommern ist ein Urlaubs- und Gesundheitsland und in diesem Bereich verdienen die Leute ihr Geld.“ Ingo Wettstein surft, wenn das Wetter es zulässt, das ganze Jahr über, vor allem in Loissin, manchmal aber auch in Lubmin am Strand. Seit Anfang 2008 engagiert er sich in der BI, der Protest gegen das Kraftwerk beschäftigt ihn mittlerweile auch noch nach Feierabend: Seit Beginn des Erörterungsverfahrens schaut er fast jeden Abend noch für ein paar Stunden im Gewerbegebiet Ziegelhof an der Grimmer Straße vorbei. Das Erörterungsverfahren findet er „hoch spannend“. Bei seinem Protest bleibt Ingo Wettstein optimistisch: „Ich glaube, dass wir gute Chancen haben den Bau zu verhindern.“ Noch bis Ende November leitet das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) das Erörterungsverfahren im Schawi im Ziegelhof. ANKE LÜBBERT
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