Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde im Kampf gegen das Steinkohlekraftwerk Lubmin,


heute gedenken die evangelischen Christen der Reformation Martin Luthers.
Luther wollte keine neue Kirche.
Er wollte das verlotterte und korrupte Papsttum in Rom reformieren.
Johannes Hus, der das Gleiche wollte, wurde dafür 1414 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Heute würden wir statt Rom Wall Street sagen.

Am vergangenen Dienstag hat die zweite Runde der Anhörungen zum Steinkohlenkraftwerk Lubmin begonnen. Wir sind mit etwa 350 Personen von der Greifswalder Innenstadt hinaus in das Schawi gezogen. Das ZDF hat in seiner Sendung um 19.00 Uhr am ausführlichsten darüber berichtet.

Zu Beginn hat Rechtsanwalt Dr. Geulen eine brillante Rede gehalten, die mit tosendem Beifall durch
uns bedacht wurde. Für das Plädoyer vom DONG-Rechtsanwalt gab es keinen Beifall.


Rechtsanwalt Peter Kremer hat mit dem Begleitteam aus unserer Mitte die Gutachten der
Antragstellerin, Kraftwerke Greifswald GmbH (Lubminer Tochtergesellschaft von DONG), Zug um Zug auseinandergenommen. Er konnte nachweisen, dass die Gutachten teilweise falsch und teilweise
am Thema vorbei waren.Als besonderen Paukenschlag führte er ein neues Gutachten des Sozialminsteriums an, das überraschend konträr zur bisherigen Regierungsmeinung steht.
Die anwesenden DONG-Gutachter sind arg ins Stottern oder gar ins Schweigen verfallen. Der Rechtsanwalt von DONG hat es gleich vorgezogen, zu schweigen. Er musste vom Vorsitzenden regelrecht ermuntert werden, auch einmal Stellung zu beziehen.

Zum Vorsitzenden des Verfahrens möchte ich berichten, dass wir diesmal einen erfahrenen Juristen
haben, der absolut neutral verhandelt und auch Einwenderinnen und Einwendern ohne Gerichts-Redner-Schulung sehr geduldig zuhört und zum Verständnis der vorgebrachten Argumente verhilft.

Jeder Einwender darf Anträge stellen, die gewissenhaft zu Protokoll genommen werden. Ein freundlicher junger Protokollant hilft unseren Einwendern bei der Formulierung der Anträge.

Diese 3 Tage im Schawi bezeichne ich als vollen Erfolg für uns. Mit unseren vielen Anträgen, die wir
stellen durften, werden weitere Gutachten eingeholt. Die Genehmigung wird noch lange nicht erteilt........
wenn überhaupt!!!

Am kommenden Montag, den 3. November, werden wir um 10.00 Uhr die Anhörungen im Schawi
fortsetzen
. Als Restposten werden wir abzuarbeiten haben.

Abwassereintrag und Schadstoffeintrag
Nährstoffeinträge
Sedimentabtrag/Sedimentation
Seebadstatus -Badewasserqualität
Wasserqualität
Internationale Verpflichtungen und Konventionen
Wohnumfeld
Lebensqualität allgemein
Erholung
Tourismuswirtschaft
Fischerei
Kutltur- und Sachgüter
Sonstige Nutzungen

Am nächsten Dienstag, den 4. November soll nach Fahrplan wieder um 10.00 Uhr im Schawi verhandelt werden u.a. Wegen der Fülle des Programms tagen wir bis etwa 20.00 Uhr.

Risikovorsorge in Zusammenhang mit der europäischen Rechtsetzung
Umweltverträglichkeit - Methodik
Eingriffsregelung - Methodik
FFH Untersuchungsumfang/Summation
FFH Erheblichkeit
Belastung durch Flächeninanspruchnahme
Belastung durch Grundwasserabsenkung
Zwingende Gründe des öffentlichen Interesses u.a. mehr.

Manchmal ist das Verfahren ermüdend, weil die Sachverständigen von DONG Energy nur sehr
schwerfällig auf die Fragen unserer Fachleute oder auch gar nicht antworten. Dann muss der sehr geduldige Vorsitzende nachbohren und das dauert dann doch.

Trotzdem möchte ich Sie sehr herzlich einladen, am kommenden Montag ins Schawi nach Greifswald zu kommen. Sie erreichen es mit dem Auto sehr leicht, wenn Sie z.B. aus Richtung Anklam kommen.

Fahren Sie in Greifswald den linken Bogen auf die Stadtumgehungstraße.
Fahren Sie die dritte Ausfahrt (Greifswald Innenstadt gesperrt) heraus.
Fahren Sie jetzt rechts in die Stadt und sofort die erste Straße rechts (schräg gegenüber der Tankstelle).
Dann bitte gleich wieder die erste rechts und sofort die erste links bis zum Ende.
Jetzt stehen Sie vor dem Schawi.
Im eigens für uns aufgebauten Zelt wird nicht mehr getagt.

Also bitte, fassen Sie sich ein Herz und kommen Sie, Ihre Einwendung zu begründen und auch Anträge
zu stellen, wenn Sie das möchten.


Es ist unsere Stunde und wir sollten jetzt auch den Mund aufmachen und öffentlich unseren Willen gegen das Steinkohlekraftwerk Lubmin kundtun.

Übrigens: Das Schawi ist ein Begegnungszentrum. Dort gibt es auch recht preiswert zu essen. 

Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. So endete Martin Luther sein Plädoyer vor dem Kaiser in Worms.

Wir haben es heute viel leichter!

Herzliche Grüße
Ihr und Euer
Peter Freygang