8900 Einwendungen gegen Kraftwerk

Ostsee-Zeitung l Wochenendausgabe, 27. September 2008 | Titelseite l 319 Wörter
8900 Einwendungen gegen Kraftwerk

Anwohner und Verbände legen massiv Widerspruch gegen den Bau des Kohlekraftwerkes in Lubmin ein. Ein so aufwendiges Genehmigungsverfahren gab es in Vorpommern noch nie.

Greifswald (OZ) Gegen das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin bei Greifswald gingen bereits 8900 Einwendungen ein. Das bestätigte gestern das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) in Stralsund. Die Genehmigungsbehörde hatte die Antragsunterlagen des dänischen Investors Dong Energy seit 1. August auf Rügen und Usedom, in den Regionen Greifswald, und Recknitz-Trebeltal sowie in Stralsund und Ueckermünde öffentlich ausgelegt. Mitte September sei die Einwendungsfrist fast überall abgelaufen, im Amt Bergen auf Rügen ende sie am 6. Oktober, informierte StAUN-Chef Reinhard Stahlberg. Ab 28. Oktober werden bei sechs Erörterungsterminen unter anderem die Einwendungen zu Naturschutzbelangen, Luftverschmutzung und Grundwasserabsenkung behandelt. In der Mehrzweckhalle Greifswald-Schönwalde würden dafür 400 Plätze zur Verfügung stehen, zusätzlich ein Zelt mit Platz für insgesamt 2000 Personen. Stahlberg spricht vom „aufwendigsten Genehmigungsverfahren“, das seine Behörde je führte.

Die umwelt- und wasserrechtlichen Unterlagen für den Zwei-Milliarden-Bau mussten bereits zum zweiten Mal ausgelegt werden. Nach der ersten Runde Ende 2007 sah die Behörde Nachbesserungsbedarf. Inzwischen wurden neue Gutachten eingeholt, etwa vom Institut für Ostseeforschung Warnemünde. Kraftwerksgegner sammelten bereits 60 000 Unterschriften gegen den Bau. 32 000 davon übergab eine Volksinitiative dem Landtag. „Das ist die größte Volksbewegung in Vorpommern seit der Wende“, sagt Torsten Jelinski, Sprecher der Rügener Bürgerinitiative, der selbst zu den Einwendern gehört. Er meint, dass der Bau des Kohlemeilers „nicht im öffentlichen Interesse“ sei. Mecklenburg-Vorpommern produziere schon jetzt Strom für andere Regionen. „Hier braucht niemand ein Kraftwerk, das Umwelt und Tourismus belastet“, argumentiert der Gastwirt aus Thiessow auf Rügen.

Corinna Cwielag vom Naturschutzbund BUND begrüßte, „dass die Landesregierung endlich die für FFH-Gebiete vorgeschriebene Stellungnahme bei der EU-Kommission einholt“. Aus ihrer Sicht ist das Vorhaben schon allein wegen der Beeinträchtigung geschützter Tierarten nicht genehmigungsfähig. StAUN-Chef Stahlberg geht nicht davon aus, dass es 2008 noch eine endgültige Entscheidung über den Bau gibt.

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ELKE EHLERS