Wirtschaftsratstagung in Lubmin

Genehmigungsverfahren zu „einem positiven Ende bringen“

Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des CDU-Wirtschaftsrates Deutschland veranstaltete am 24.02.2010 in Lubmin seinen Jahresempfang unter dem Motto "Schwerpunkte und Grundlinien der Landesregierung für die Wirtschaftspolitik im Jahr 2010".

„Die Landesregierung kann sich nicht allein für die Windenergie in Mecklenburg-Vorpommern stark machen“, sagte der Chef des Landesverbandes Andreas Mau, wahrscheinlich auch, um dem Gastredner Seidel das Thema vorzugeben. Dieser kündigte dann auch eine Werbeoffensive für Lubmin an. „Die Entwicklung des Industrie- und Energiestandortes Lubmin bleibt ein Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik des Landes“. Die Chancen, einen neuen Investor zu finden, seien „schwer einschätzbar“. Gaskraftwerke seien derzeit besser machbar. Außer Atomkraft sei aber keine Energieform ausgeschlossen.

Weiterhin wurde das vom Unternehmerverbands-Vorsitzenden Jürgens angekündigte Gutachten, welchen Einfluss ein Kohlekraftwerk auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region hätte, vorgelegt. Wesentliche „Erkenntnisse“ sind in einem Interview der OZ mit Prof. Matschke zu lesen. Jedenfalls werden die früher von Dong Energy in Aussicht gestellten Arbeitsplätze noch übertroffen und hauptsächlich die rosigen Zeiten der Bauphase betrachtet. Nachhaltigkeit? Fehlanzeige.

Bei Interesse noch eine Meldung und ein Kommentar der OZ

Die Pressemeldung der „Grünen“, Kreisverband Greifswald-Uecker-Peene, analysiert das Gutachten als „Anstiftung zur Rechtsbeugung und als unwissenschaftliche Zahlenspielerei“.

Zu der OZ-Pressemeldung auch noch ein Leserbrief von Arnd Müller, BUND Schwerin:

Träum weiter CDU!

Man traut seinen Augen nicht: Da vergehen seit der DONG-Absage mal eben locker knapp 3 Monate in denen Seidel & Co. weinend in der Ecke saßen, um nun mit einem Gutachten herauszurücken, dass schon am 11.12.2009 fertig war und das uns weiß machen soll, das die Steinkohle in Lubmin den Landstrich in einen Garten Eden verwandelt hätte. Es ist bemerkenswert, das erwachsene Menschen mit einem nahezu kindlichen Trotz Realitäten nicht wahr haben möchten.

DONG hat hingeworfen, weil sich Steinkohle nicht rechnet und weil die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern eine zukünftsfähige Energieversorgung wollen, die dem ganzen Land für weit mehr als nur 40 Jahre Laufzeit eines ineffizienten Kohlekraftwerkes nützt. Die Grünen in MV haben mit soliden Annahmen errechnet, dass mehr als 13.000 Arbeitsplätze für Mecklenburg-Vorpommern in der dezentralen ökologischen Energieversorgung stecken.

Es kann doch nicht wahr sein, dass hier nicht von jeder und jedem, die und der Verantwortung trägt, alles unternommen wird, um eine emissionsarme Energieversorgung zu fördern. Auch die SPD tourt inzwischen mit vernünftigen Zukunftsideen für eine dezentrale Energieversorgung durchs Land. Es macht mich wütend zu lesen, dass Herr Seidel mit Steuergeldern eine Werbekampagne für Lubmin fahren will, nach dem Motto: "Außer Atomkraft ist alles möglich." ..auch der Kohledreck aus Übersee für den tausende Arbeiter zum Beispiel in Kolumbien unter qualvollen Bedingungen schuften müssen.

Wie kann man nur so dreist eine Volksinitiative im eigenen Land mit über 30.000 Unterschriften und jahrelange wackere Bürgerbewegung ignorieren, die nach Kopenhagen fuhr, um den Managern von DONG die Fakten zu berichten, die Sie, Herr Seidel den Investoren vorenthalten: dass sich dieses Land nämlich nicht eignet, ein Kraftwerk mit nur 38 % Wirkungsgrad zu verwirklichen, und das dort, wo schon russische Atomreaktoren den Bodden in ein Thermalbad verwandelten.

Und noch ein Tipp für ein neues dänisches Großprojekt in Lubmin: Man hört das Legoland in Billund soll ganz gut laufen. Wie wäre es denn mit einem riesigen Bauspielplatz, wo verstörte Kohlenergiefans mit kleinen Bauklötzchen in so ca. 10 Jahren ein tolles Spielzeugkraftwerk zusammenstecken können?! Ich fürchte nur, es wird länger als 10 Jahre dauern, denn so viele Kohlefans gibt es ja eigentlich gar nicht mehr. Naja, muss ja kein Kohlekraftwerk sein, irgendwas tolles Großes mit bunten Bändchen davor, die man immer mal vor Kameras durchschneiden kann, wird sich schon finden. Doch Schluss mit dem beissenden Spott und weitergearbeitet. Auch ohne den Werbeetat von Herrn Seidel gilt es für dieses Land zu werben: als Lebensort von pfiffigen Menschen, die in Stadt und Land ökologisch und effiziente Energieprojekte realisieren. Dabei will ich helfen.