Erdgastrasse: 2010 soll es losgehen

Ostsee-Zeitung l Mittwoch, 11. März 2009 | Anklam
Erdgastrasse: 2010 soll es losgehen

Ab 17. März liegen die Antragsunterlagen der neuen Erdgaspipeline Wyborg-Lubmin für den 81 Kilometer langen Trassenabschnitt im deutschen Küstenmeer sowie für den Anlandungspunkt Lubmin öffentlich aus.

Lubmin Einer jener Orte, an denen die neun Aktenordner mit immerhin 3700 Seiten eingesehen werden können, ist das Bauamt Lubmin. Die dort ausliegenden Unterlagen beinhalten eine allgemeine Vorhabenbeschreibung, den technischen Erläuterungsbericht, eine Umweltverträglichkeitsstudie, die FFH1 (Flora-Fauna-Habitat)-Verträglichkeitsuntersuchung, den landschaftspflegerischen Begleitplan und eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, erläuterte Jens Lange in Greifswald. Er ist Projekt-Manager bei der Nordstream AG. 

Während der Auslegung, die bis 18. April andauert, können Behörden, Interessengruppen und Bürger Stellungnahmen, Anregungen und Hinweise zum Vorhaben einreichen. Diese werden dann von den zuständigen Behörden – dem Bergamt Stralsund und dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg – gesammelt und im Genehmigungsverfahren berücksichtigt, erläutert er das weitere Prozedere. Anschließend werde es, ähnlich wie beim geplanten Steinkohlekraftwerk, einen öffentlichen Erörterungstermin geben, wo nochmals spezielle Einwände gehört werden. 
Baubeginn für die insgesamt 1220 Kilometer lange Trasse durch die Ostsee, die neben Russland und Deutschland auch Gewässer Finnlands, Schwedens und Dänemarks durchläuft, soll im Frühjahr 2010 sein. „Bislang liegen wir im Plan“, gibt sich Lange optimistisch. 2011 ist bereits geplant, erstes russisches Erdgas durch die Pipeline zu schicken. Geplant ist dann ein jährlicher Durchlauf von 27,5 Milliarden Kubikmeter. In der zweiten Phase soll die Transportkapazität mit einem weiteren Leitungsstrang auf 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verdoppelt werden. 2025 sollen es gar 509 Milliarden Kubikmeter sein. 
Hintergrund des Baus der Leitung ist die Tatsache, dass die Erdgaseigenproduktion in Europa in den nächsten Jahren massiv zurückgeht. Und das bei steigendem Bedarf. Durch die Verbindung der größten Gasreserven der Welt mit dem europäischen Gasleitungsnetz wird Nord Stream etwa 25 Prozent des zusätzlichen Gasimportbedarfs der Europäischen Union decken können. 
Wie Lange betont, habe sein Unternehmen umfassende Untersuchungen angestellt, um geringstmögliche Umweltauswirkungen bei der Routenplanung zu erreichen. Allein dafür wurden rund 100 Millionen Euro ausgegeben. „Die Untersuchungen haben gezeigt, dass sich im deutschen Trassenabschnitt keine militärischen Altlasten befinden“, so Lange. Anders sieht es im Golf von Finnland und in den schwedischen Gewässern aus. Hier wurden Minen gefunden. Sie sollen entweder geholt oder vor Ort entschärft werden, erläutert Lange. Die Bauarbeiten für die Nordstream-Pipeline werden mit Rücksicht auf das sensible Ökosystem sowie die Schifffahrt und Fischerei geplant, betont Lange weiter. Man werde auch sicherstellen, dass die sogenannte Graudüne im Anlandungsbereich Lubmin nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Für mehrere Millionen Euro sind hier Umplanungen veranlasst worden. Die Anlandestation Lubmin selber wird kaum Arbeitsplätze in Größenordnungen schaffen. Sie sei aber wichtig für weitere Ansiedlungen auf dem Energiestandort Lubmin. Vor allem die geplanten Gaskraftwerke, meint Lange. In Mukran auf Rügen entstand bereits ein Betrieb mit 150 Arbeitskräften für die Betonummantelung der Rohre, die dann in der Ostsee verlegt werden sollen. 

REINHARD AMLER