Aktuelles BI Greifswald

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Liebe Klimafreundin, lieber Klimafreund,

das CCS-Gesetz steht im Bundesrat auf der Kippe: Bei einer Probeabstimmung letzte Woche gab es keine Mehrheit für den Gesetzentwurf. Einige Bundesländer zögern noch, wie sie sich verhalten sollen. Deshalb gilt es jetzt, den Druck noch einmal zu erhöhen: Die Bundesländer müssen dieses Gesetz bei der entscheidenden Abstimmung diesen Freitag ablehnen!

Diesen Freitag wollen wir den Protest von mehr als 12.000 Menschen vor dem Bundesrat übergeben. Alle Unterschriften, die uns bis Donnerstag erreichen sind mit dabei.

Fordern auch Sie die MinisterpräsidentInnen auf, dem CCS-Gesetz nicht zuzustimmen:


Schon unterschrieben? Vielen Dank für Ihre wichtige Unterstützung. Bitte leiten Sie unseren Aufruf an viele Menschen weiter!


Herzliche Grüße aus Berlin

Tina Löffelsend, Tine Jäger und Norbert Franck für das BUND-Klimateam
   
   

Ostsee-Zeitung l 22.09. 2010 I Greifswald

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04.08.2010    Ostsee-Zeitung Lokalseite HGW

Umweltschützer: Gaskraftwerk erwärmt Bodden


Greifswald - Die Greifswalder Bürgerinitiative gegen das in Lubmin geplante Steinkohlekraftwerk hat Kritik an den Plänen der Energiewerke Nord (EWN) geäußert, auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes ein drittes Gas- und Dampfkraftwerk zu errichten. Der in Lubmin erzeugte Strom werde in Mecklenburg-Vorpommern nicht benötigt, sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Oskar Gulla. Außerdem stünden die Kraftwerke der Entwicklung des Landes hin zu einer Versorgung mit hundert Prozent Erneuerbaren Energien im Wege. Hinzu kämen die aus dem Kraftwerksbetrieb resultierende Boddenerwärmung und die damit verbundenen ökologischen und gesundheitlichen Gefahren, erklärte Gulla.

Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in Schwerin hatte am Montag angekündigt, dass die Energiewerke Nord das ursprünglich von Dong Energy geplante, inzwischen aber abgesagte Kraftwerksvorhaben auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Lubmin übernehmen wollen. Statt des geplanten Steinkohlekraftwerks solle dort nun ein Gas- und Dampfkraftwerk mit 1350 Megawatt Leistung entstehen.

Zur Ankündigung des Ministeriums sagte Gulla, sie sei der „Totenschein für das Steinkohlekraftwerk“ und bedeute das endgültige Aus für das Steinkohlekraftwerk. „Damit geht für uns ein langer und harter Kampf erfolgreich zu Ende“, fügte er hinzu.

Torsten Jelinski von der Bürgerinitiative Rügen brachte seinen Unmut gestern deutlich zum Ausdruck: „Die Gaskraftwerke haben, was den Bodden betrifft, die gleichen Auswirkungen wie das Steinkohlekraftwerk von Dong Energy. Das Wasser wird erheblich erwärmt. So wird es in Zukunft nicht ausbleiben, dass gesundheitsschädigende Bakterien wie die Vibrionen im Wasser tanzen werden.“ Auf der Tourismusinsel Rügen sei man deshalb „nicht glücklich“ darüber, dass die EWN ein drittes Gaskraftwerk errichten wollen. Ankündigungen zufolge wolle EWN dafür nun einen Investor suchen. „Ich glaube nicht, dass sie einen finden werden“, sagte Jelinski. Drei Gaskraftwerke seien für ihn mindestens eins, wenn nicht sogar zwei zu viel. Die Energieunternehmen E.ON sowie EnBW planen bereits den Bau von zwei Gaskraftwerken mit 1200 beziehungsweise 1350 Megawatt. OZ/epd
   
BÜRGERINITIATIVE GREIFSWALD GEGEN DAS STEINKOHLEKRAFTWERK LUBMIN e. V.
Pressemitteilung 3/2010, 03.08.2010

Kohlekraftwerk versenkt! Gulla hält Totenschein für das Kohlekraftwerk Lubmin in der Hand


Mit der gestern bekannt gewordenen Erklärung zur Übernahme des Kraftwerkvorhabens durch die Energiewerke Nord (EWN) sind die Pläne zum Bau des Steinkohlekraftwerkes in Lubmin vom Tisch. 
EWN gab bekannt, als Vorhabenträger einen Investor für ein Gas- und Dampfkraftwerk (GuD-Kraftwerk) suchen zu wollen. Oskar Gulla, Vorsitzender der Bürgerinitiative Greifswald gegen das Steinkohlekraftwerk Lubmin e. V., hält somit endlich den seit langem geforderten und überfälligen Totenschein für das Steinkohlekraftwerk in der Hand. 

"Damit geht für uns ein langer und harter Kampf erfolgreich zu Ende." Gemeinsam mit den Umweltverbänden BUND und WWF haben die in der ,ALLIANZ Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin' zusammengeschlossenen Bürgerinitiativen Lubmin, Rügen, Usedom und Greifswald die Menschen in der Region aufgerüttelt und zum Protest gegen die industrielle Belastung und Verschmutzung ihrer Umwelt motiviert. Gulla weiter: "Die Menschen haben verstanden, dass sie sich aktiv in die Zukunftsgestaltung ihrer Region einmischen müssen, wenn sie nicht vor unerwünschte und vollendete Tatsachen gestellt werden wollen." Aber die Freude ist nicht ganz ungetrübt. Denn der Plan der EWN, das Genehmigungsverfahren umzuwandeln und weiter zu begleiten, kostet nicht nur Steuergelder, sondern ist auch keine Lösung, die den heutigen und zukünftigen Anforderungen gerecht wird. 
Verantwortliche Politiker des Bundesfinanzministeriums, dem Dienstherrn der EWN, scheinen taub gegenüber den Erfordernissen vor Ort zu sein: Einen Vorgeschmack auf die Boddenaufheizung durch die nunmehr drei geplanten Gaskraftwerke (E.ON mit 1.200 MW, EnBW mit 1.350 MW, EWN 1.350 MW) konnten die Einwohner und Urlauber im Juli diesen Jahres bereits bekommen: starker Bewuchs und die Vermehrung gesundheitsschädigender Bakterien mit dem Risiko tödlicher Infektionen (wie vor wenigen Tagen erneut aufgetreten) werden dann durch den Warmwassereintrag der Kraftwerke höchstwahrscheinlich zum Regelfall im Urlaubs- und Gesundheitsland M-V. Ein drittes Gaskraftwerk ist aus unserer Sicht ein neues Vorhaben und muss deshalb auch neu beantragt werden. Zudem wird der in Lubmin erzeugte Strom im Energie-Exportland M-V nicht benötigt. Die Kraftwerke stehen der Entwicklung des Landes hin zu einer Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien (EE) im Wege. Während andere Länder im Jahre 2050 - wie es der Sachverständigenrat der Bundesrepublik für möglich hält - mit großer Wahrscheinlichkeit bereits eine vollständige Versorgung mit EE verwirklicht haben, wird in M-V das Gros der Elektroenergie wohl wie ehedem durch fossile Quellen erzeugt werden. 

Es muss nicht sein, dass dann der zu trauriger Berühmtheit gelangte Ausspruch Bismarcks über die Rückständigkeit unseres Landes wieder zur Erklärung der Umstände zitiert werden muss.  

Kontakt: Oskar Gulla, Vorsitzender
email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Tel.: 03834/ 810690

   
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Schriftliche Anfrage an Dong Energie

Am 10.06.2010 schrieb die BI Greifswald an Dong Energie:

Sehr geehrter Herr Eldrup,

am 11.12.2009 gab der Aufsichtsrat von DONG Energy den Rückzug von dem geplanten Bau eines Steinkohlekraftwerks in Lubmin bekannt. Die Bürgerinitiativen, Umweltverbände und die Bevölkerung haben diese Mitteilung mit großer Freude zur Kenntnis genommen.

Unruhe entstand aber erneut, nachdem mehrfach neue Gutachten zum Antrag angekündigt wurden.....

Bitte beantworten Sie uns die folgenden Fragen:

1. Halten Sie in der Hoffnung auf einen positiven Genehmigungsbescheid weiterhin die Genehmigungsanträge aufrecht?

2. Wollen Sie dann die Genehmigung veräußern und somit anderen Investoren die Möglichkeit der Errichtung eines Kohlekraftwerkes am Greifswalder Bodden ermöglichen?

Den ganzen Brief finden Sie hier.

Und die Antwort ist hier zu lesen.


   
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OZ | Seite 13 | 21.03.2010

Studenten haben die Initiative UniSolar in Greifswald gegründet. So soll in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken eine Solaranlage entstehen.

Greifswald. „Wir wollen Umweltbewusstsein schaffen", bringt es Juliane Hille auf den Punkt. Die 21-jährige Studentin gründete deshalb im vergangenen Jahr die Arbeitsgruppe UniSolar in Greifswald - nach dem Vorbild anderer deutscher Universitäten.
Das Ziel: eine Solaranlage bauen und damit umweltfreundlichen Strom erzeugen. „Um den Bau der Anlage kümmert sich die Fernwärme GmbH der Stadtwerke", berichtet Hille. Die GmbH wird Partner von UniSolar und betreibt die Anlage später. Auch das Studierendenparlament unterstützt das Projekt, das zur Zeit 16 Mitglieder zählt.
Vor dem Bau der Anlage muss aber erstmal das Geld ran. Dafür sorgt die Arbeitsgruppe UniSolar, die im Mai zum gemeinnützigen Verein wird. „Wir sind auf der Suche nach Investoren", erklärt Hille, „Studenten müssten jeweils 250, alle anderen 500 Euro in die Anlage investieren". Der Clou: Jährlich gibt's zehn Prozent der Investitionssumme zurück - plus Zinsen. „Die belaufen sich dann auf bis zu sechs Prozent", sagt die Initiatorin. Damit bringe das Projekt zwei Vorteile für die Investoren: „Sie beschäftigen sich mit dem Klimaschutz und verdienen dabei noch Geld." Wem das nötige Kleingeld fehlt, kann auch mit anderen gemeinsam die jeweilige Summe investieren. Das Werben um Investoren hat bereits begonnen, heute sind die UniSolar-Aktivisten auf dem Markt der Möglichkeiten (15 Uhr Hörsaal Loefflerstraße) zu finden. Zusätzlich macht sich die Gruppe auf die Suche nach Stiftungsgeldern.
Je mehr Geld zusammen kommt, umso größer kann die Anlage werden: „Momentan sind 60 Quadratmeter geplant", sagt Hille, „dafür müssen wir mit mindestens 15 000 Euro rechnen".
Neben viel Geld braucht die Anlage auch einen geeigneten Platz. „Deshalb hatten wir schon Gespräche mit der Universitätsleitung und dem Studentenwerk", berichtet die Initiatorin. Momentan kommen das Dach des Studentenwohnheims am Ernst-Thälmann-Ring und das des Hörsaals Loefflerstraße in Frage. Der Bau soll schon Ende dieses Jahres, spätestens aber Anfang des nächsten Jahres beginnen. Dann geht die Anlage ans Netz und erzeugt umweltfreundlichen Strom. Der fließt in das Stromnetz der Stadt. Von MARIA WEISS

unisolar_hilleSchon bald soll eine Anlage wie diese vor dem Heizkraftwerk auch auf Uni-Dächern stehen. Juliane Hille (21) engagiert sich dafür.
Foto: M.Weiss

INFORMATION

Uni Solar

Das Projekt „Uni Solar" gibt es bereits an 22 anderen deutschen Universitäten. An der Vorreiter- Universität in Leipzig sammelte die Initiative innerhalb von zwei Monaten sogar 170 000 Euro für ihre Solaranlage. Nähere Informationen zum bundesweiten Projekt gibt es unter http://www.unisolar-leipzig.de. Wer sich gleich an der Greifswalder Initiative beteiligen möchte, kann unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Kontakt aufnehmen.
   

OZ | 20.03.2010 | Seite 12

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Oskar Gulla ist stolz darauf, dass „Die 4. Revolution - Energy Autonomy" in Greifswald Premiere feierte. Foto: M. Weiss

Innenstadt. „Wir haben einen Kampf auszutragen, es wird uns nichts geschenkt!", sagte der Landtagsabgeordnete Gottfried Timm (SPD) auf der Premierenfeier zum Film „Die 4. Revolution - Energy Autonomy". Timm sprach vom Kampf um eine alternative Energieversorgung. Der ist auch Thema des Films, der nun seit Donnerstag im Greifswalder Kino läuft. „Der Film feierte heute in 50 Städten Deutschlands Erstpremiere", sagte Oskar Gulla, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Greifswald gegen das Steinkohlekraftwerk Lubmin". Die Initiative holte die Premiere nach Greifswald. Die Stadt war als einzige in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. Gulla: „Die 4. Revolution ist ein hochwertiger Dokumentarfilm, der wachrütteln soll. Er stellt die Alternativen zur jetzigen Energieversorgung dar und zeigt, dass die fossile Energieherstellung ein Ende haben wird". Etwa 150 Zuschauer hätten die Filmpremiere gesehen, so der Greifswalder. Der 22-jährige Benedikt Gerigk ist einer von ihnen. „Der Film hat Mut gemacht und gezeigt, wie wir aus der jetzigen Energieversorgung hinaus können", sagte er auf der Feier nach der Premiere. Auch Regisseur Carl Fechner ist überzeugt: „Nie war eine globale Aufbruchsstimmung so stark wie im Moment." Noch bis zum 31. März läuft „Die 4. Revolution" in Greifswald, danach macht der Film in anderen Städten Mecklenburg-Vorpommerns Halt. Oskar Gulla legt allen ans Herz, die Chance zu nutzen: „Ich fordere die Leute auf, in den Film zu gehen und mitzumachen beim Kampf gegen die fossile Energiegewinnung. Die Zeit drängt."

MARIAWEISS

   

OZ | 17.03.2010 | Seite 9

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Der Platz auf den Reaktorblöcken des ehemaligen Kernkraftwerkes in Lubmin genügt für eine Solarfläche von 18600 Quadratmetern. (Foto: AG OZ)

Ein Firmenkonsortium will den riesigen Atommeiler von außen mit Solarzellen bestücken und damit sauberen Ökostrom in Lubmin produzieren. Umweltschützer stehen den Plänen skeptisch gegenüber.

Lubmin. Das frühere Kernkraftwerk (KKW) Lubmin feiert demnächst ein ungeahntes Comeback. Aus dem damaligen Atomstandort könnte nun ein ökologisches Vorzeigeprojekt werden. Statt Kernbrennstäben sollen dann Solarzellen Energie erzeugen. Die WV Energie AG sowie die Energiewerke Nord (EWN) planen, vier der ehemals acht Reaktorblöcke von außen mit Photovoltaik- Elementen auszustatten.

Die vorgesehenen Flächen auf den Dächern sowie an den Südfassaden der ausgewählten Blöcke bieten zusammengenommen 18 600 Quadratmeter für die saubere Stromerzeugung mit Sonnenlicht. Bereits Mitte dieses Jahres soll die Anlage den ersten Strom liefern. WV Energie rechnet mit einer Spitzenleistung von 1400 Kilowatt. 320 Haushalte könnten so dauerhaft mit Ökostrom versorgt werden. Als Betreiberfirma fungiert die Solar Lubmin GmbH, die als Gemeinschaftsunternehmen der Berliner Dachland Fotovoltaik GmbH und der WV Energie AG gegründet wurde. „Vor etwa einem Jahr schon haben wir mit den Energiewerken die solare Nutzung der vier Reaktorblöcke vertraglich vereinbart", sagte Uwe Albert Schön, Manager von WV Energie. Mit den Solarplänen machen die Energiewerke Nord jetzt aus der Not eine Tugend.

Die Reaktorblöcke würden ohnehin die Silhouette des Lubminer EWN-Areals auch in Zukunft prägen. Grund ist die massive Bauweise der Kolosse. Sie bestehen aus einsturzsicherem meterdicken Stahlbeton. Schön zufolge würden die Bauten noch mindestens 20 Jahre Bestand haben, da ihr Abriss gewaltige Kosten verursache, für die so schnell niemand aufkommen wolle. Während der Bund zwar die Entsorgung der kontaminierten Atomtechnik bezahle, müsse das Land den Abriss der Gebäude schultern, von denen ein Teil noch radioaktiv verunreinigt sei. Mit dem neuesten Solarprojekt würde das seit längerem propagierte Konzept, demzufolge in Lubmin verschiedene Energiearten genutzt werden sollen, einmal mehr unterstrichen, betonte Schön. „Seit 2004 betreibt die Firma BP- Solar eine Photovoltaik-Anlage am so genannten Einlaufkanal in Spandowerhagen. In der Heide wird Biosprit hergestellt und in der Maschinenhalle produzieren die Erndtebrücker Eisenwerke Stahlmasten für Offshore- Windanlagen."

Oskar Gulla, Chef der Greifswalder Bürgerinitiative gegen ein Kohlekraftwerk in Lubmin, bezeichnete die Pläne als „Fliegenfängerei". Das Vorhaben sei „ein Schachzug von Schön, um sein Image aufzupolieren". Hintergrund sei, dass die WV Energie AG trotz des Ausstiegs von Dong Energy weiter den Bau eines Steinkohlemeilers auf dem EWN-Gelände forciere. Gulla forderte die Energiewerke Nord zudem auf, „endlich ein unabhängiges Gutachten vorzulegen, das klar benennt, inwieweit die Reaktorblöcke radioaktiv verseucht sind".

Bericht von Von SVEN JESKE und BENJAMIN FISCHER

   

Ostsee-Zeitung l 10.03.2010 l  Seite 13

OSTSEE-ZEITUNG: Frau Kaspar, trotz des Rückzugs von karin_kaspar
Karin Kaspar (SPD) OZ.
Hauptinvestor Dong verfolgt die Kraftwerke Greifswald GmbH weiter das Ziel, in Lubmin über neue Geldgeber einen Kohlemeiler zu verwirklichen. Wie ernst nehmen Sie die Bestrebungen als Sprecherin der Allianz gegen das Vorhaben?

Karin Kaspar: Die Bürgerinitiativen sind sich einig, dass das Projekt mit dem Absprung von Dong tot ist. Dennoch ist es fatal, wenn Kräfte, gesteuert von einer CDU-Lobby, am Projekt festhalten.

OZ: Was meinen Sie konkret?

Kaspar: Das Hinauszögern und die Fortführung des Genehmigungsverfahrens, die Präsentation eines weiteren, wie wir meinen, Gefälligkeits-Gutachtens über die angebliche wirtschaftliche Bedeutung eines Kohlekraftwerks: all das verzögert doch eine wirkliche Entwicklung des Standortes Lubmin. Die CDU-Lobby verhindert also mit ihrer Taktik, dass Arbeitsplätze geschaffen werden.

OZ: Der Präsident des Unternehmerverbandes, Gerold Jürgens, macht genau diesen Vorwurf den Kraftwerksgegnern. Er verweist auf 140 Arbeitsplätze in einem möglichen Kohlekraftwerk und viele potenzielle weitere Stellen, die in Betrieben um das Kraftwerk herum entstehen würden.

Kaspar: Als Gegenargument einige Zahlen. Am Standort Lubmin wurden Ende 2008 9,2 Hektar von Firmen genutzt, die dort 820 Arbeitsplätze vorhielten. Rechnet man das auf die 40 Hektar hoch, die nach wie vor für das Kohlekraftwerk reserviert sind, könnten auf der Fläche 3500 Arbeitsplätze entstehen. Dagegen sind die 140 möglichen im Kohlekraftwerk doch lächerlich.

OZ: Die Allianz fordert, dass sich die Kraftwerke Greifswald GmbH zurückziehen soll, damit die blockierten Flächen anders entwickelt werden können. Haben Sie denn Kontakt zu konkreten Investoren?

Kaspar: Wasserdichtes gibt es zugegebenermaßen noch nicht. Bevor jedoch nicht klar ist, dass die blockierten Flächen in Lubmin anders genutzt werden können, werden potenzielle Investoren auch nicht aktiv, obwohl Windkraftunternehmen händeringend nach Standorten suchen.

OZ: Wie bewerten Sie es, dass das Genehmigungsverfahren noch läuft, obwohl der Investor mehrfach bei Gutachten säumig war und mit Dong der Hauptgesellschafter abgesprungen ist?

Kaspar: Ich finde das unglaublich. Die Erörterungstermine haben gezeigt, dass ein solches Kraftwerk wegen der Boddenerwärmung umliegende Naturschutz- und Vogelschutzgebiete gefährdet. Dazu kommen Emissionsbelastungen durch Quecksilber und Feinstäube. Es ist an der Zeit, dass Umweltminister Backhaus das Genehmigungsverfahren für beendet erklärt. Damit sich der Industriestandort Lubmin endlich richtig entwickeln kann.

Interview: ALEXANDER LOEW

   

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