OZ Greifswald I 29. Jan.2010
Kohlendioxid-Ausstoß seit fünf Jahren nicht gesunken

Wenn die Stadt ihre ehrgeizigen Klimaziele erfüllen will, ist mehr Tempo nötig. Im Klimaschutzbündnis wurden Vorschläge für Lösungen debattiert.

Von ECKHARD OBERDÖRFER Greifswald.
Bis 2014 will das Greifswalder Klimaschutzbündnis den regionalen Kohlendioxidausstoß um 14 Prozent im Vergleich mit 2005 senken. Allerdings ist man diesem ehrgeizigen Ziel in den letzten Jahren keinen Meter näher gekommen. So gestern Dr. Thomas Hammacher vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik beim Neujahrsempfang des Bündnisses: „Die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen muss also in zehn Jahren erbracht werden.“ Geändert hat sich nur die Gewichtung – in Greifswald wird weniger Wärmeenergie, aber mehr Elektroenergie verbraucht. „Die Gespräche mit den Mitgliedern des Klimabündnisses haben gezeigt, dass das Ziel der Reduzierung um 14 Prozent eine größere Herausforderung ist, als man anfangs dachte“, so Hammacher. Es gebe aber Lösungsansätze. „Wir sind mit der WVG einer der großen Akteure im Klimaschutzbündnis“, stellte Stadtwerkegeschäftsführer André Dreißen fest. Beispielsweise ließe sich durch die Umrüstung der großen Fahrzeugflotten der Unternehmen viel Kohlendioxid sparen“, sagte er. Aber alle Investitionen müsse man auch unter ökonomischen Gesichtspunkten prüfen. Sechsstellige Summen für mit Erdgas betriebene Busse zu investieren, sei angesichts der ungeklärten Zukunft des Öffentlichen Personennahverkehrs im Zusammenhang mit der Gebietsreform problematisch. Er erhalte ständig neue Vorschläge zur Erzeugung oder Nutzung regenerativer Energiequellen. André Dreißen würde sich wünschen, dass diese Aktivitäten gebündelt werden. Die Umsetzung der Ideen sollte besonders dann intereressant sein, wenn jetzt laufende Kraftwerke „in die Jahre gekommen sind“ und Ersatz nötig wird. Wenn aber durch weit stärkere Erzeugung bzw. Abnahme von Ökostrom die Preise stark steigen, sei das Kunden nicht vermittelbar, warnte Dreißen vor zu hohen Erwartungen. „Die WVG leistet einen aktiven Beitrag“, sagte Sprecherin JanaWöller. Auf dem Neubau des Wiecker Brückenhofes soll die erste Photovoltaikanlage der Wohnungsbau- und -verwaltungsgesellschaft Greifswald installiert werden. Um Wärmeverluste zu reduzieren habe man bei 58 Wohnungen im Ostseeviertel- Parkseite Dreischeibenverglasungen installieren lassen. „Als erste Wohnungsunternehmen im Land haben wir Hightech ClimaLife-Dachziegel bei einem Mehrfamilienhaus in der Friedrich-Loeffler-Straße eingesetzt“, nannte Jana Wöller ein weiteres Beispiel. Bausenator Reinhard Arenskrieger sieht die Stadt Greifswald auf einem insgesamt guten Weg zur Erreichung des Einsparzieles. Bürgerschaftsbeschlüsse helfen dabei. Seit April 2009 wird die Errichtung von Niedrigenergie- und Passivhäusern bezuschusst. Das Stadthaus, die frühere Post, unterschreitet die schon hohen Standards der gesetzlichen Energieeinsparverordnung noch einmal um 30 Prozent. Die Bemühungen zur weiteren Steigerung des Radverkehrs zielen ebenfalls in diese Richtung. Der Dresdner Verkehrsplaner Dr. Ditmar Hunger sieht neben dem Rad große Chancen im Busverkehr. Er kann sich beispielsweise ein Jobticket und die Anpassung der Parkgebühren an die Kosten des ÖPNV vorstellen. Für 2010 sind unter anderem Bürgerforen, Bürgerversammlungen und ein Energiesparwettbewerb der Schulen vorgesehen. Möglichst im Oktober soll die Bürgerschaft das Klimaschutzkonzept, an dessen Konzeption gegenwärtig gearbeitet wird, beschließen.