Wahlkampf der Grünen in St. Spiritus

Gedbjerg hat nach wie vor keine überzeugenden Argumente

Am 12.5. besuchte MdB Jürgen Trittin Greifswald, um mit Dong Energy-Manager Gedbjerg über Perspektiven, Gefahren und Chancen, die von dem geplanten Steinkohlekraftwerk in Lubmin ausgehen, öffentlich zu diskutieren. Eingangs bekam Gedbjerg Gelegenheit, sein Projekt vorzustellen, was er aber weitgehend vermied, sondern fast ausschließlich davon sprach, wie innovativ und umweltverträglich Dong Energy in Dänemark Energie erzeugt. Nicht ausgesprochen, aber demonstriert wurde: „Dong Energy steht für grün!“ und das steht im krassen Widerspruch zu dem Plan, in den sensiblen Schutzbereichen um Lubmin irreversible Bild PodiumNaturschädigungen billigend in Kauf zu nehmen.

Die gesamte Veranstaltung im überfüllten Tagungsraum wurde weitgehend von BI-Mitgliedern bestritten, Grüne traten kaum und Projektbefürworter (Ramthun und Kanehl waren anwesend) gar nicht in Erscheinung.

Auch kein anderer der von Gedbjerg mitgebrachten Kraftwerks-Beführworter, die der scheinheiligen Präsentation anfangs applaudierten, meldete sich zu Wort.

 

Natürlich ging es auch um die vielzitierte „Stromlücke“ in den nächsten 10 Jahren und um die CO2-Vermeidung durch neue, effizientere Kraftwerke, die alte Anlagen ersetzen sollen. Dazu rechnete Trittin vor, dass der CO2-Ausstoß der alten Kraftwerke in den nächsten 10 Jahren in Summe nicht größer sein werde, als der der neuen Kraftwerke, die dann wenigstens 40 Jahre laufen müssten.

Prof. Suckow wiederholt seine bekannte Feststellung: „Das Dong-Kraftwerk ist wider alle Vernunft!“ und zitiert den führenden Klimaforscher vom Potsdamer Institut für Klimaforschung (PIK): „Ich hoffe nur, dass sich die Wissenschaftler mit ihren Klima-Prognosen geirrt haben!“ Das erinnert mit seinem Sarkasmus stark an das Einsteinzitat: „Das Weltall und die Dummheit der Menschen sind unendlich- bei ersterem bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ U.a. wurde Trittin gefragt, was er denn den Kohlegegnern raten könnte. Da nannte er das Beispiel Ensdorf, wo RWE sich dem Ergebnis eines Volksentscheides beugte und sein Kraftwerksprojekt aufgab, weil der Konzern ausdrücklich mit einer solchen Befragung einverstanden war. Als der BI-Vorsitzende Woitacha Gedbjerg fragte, ob er denn seiner Konzernführung auch einen solchen Vorschlag unterbreiten würde, antwortete er mit einem klaren, deutlichen „Nein“, was belegt, dass er die Stimmung genauestens kennt, die er mit ständigen (unüberprüfbaren) Projektverbesserungen oder wirtschaftlicher Einflussnahme (Bau von Kohlefrachtern) zu ändern versucht. Ein Diskussionsredner sprach diesbezüglich von Nötigung, wie hier die Krisensituation im Schiffbau schamlos ausgenutzt wird. Sehr bemerkenswert war, dass der Projektleiter im Gegensatz zu allen anderen Veranstaltungen das Arbeitskräfteargument mit keinem einzigen Wort mehr erwähnte.

Das nach wie vor größte Dilemma, so stellten Trittin und der Jurist und Politologe Prof. Rodi übereinstimmend fest, sei die fehlende Energiekonzeption sowohl der EU als auch der einzelnen Mitgliedsländer. Offensichtlich war die Schweriner Konzeption „Energieland 2020“ hier keiner weiteren diesbezüglichen Diskussion würdig. Gäbe es eine solche Konzeption, würden auch Investoren wie Dong Energy doppelt von solchen Rahmenbedingungen profitieren: Erstens bei der Erstellung des Antrages, weil man wüsste, „was geht“ und zweitens bei dem Genehmigungsverfahren, wo fundiertere Entscheidungen getroffen werden könnten.