Die Nutzung von Solarstrom kommt in MV

Die Nutzung von Solarstrom kommt in MV langsam in Gang. Zwei Firmen bauen für 40
Millionen Euro neue Werke.


Rostock (OZ) 450 Milchkühe stehen in den Ställen der Landwirtschaftsgesellschaft Löbnitz
(Nordvorpommern). Ihre Gülle speist eine Biogasanlage. Und über ihren Köpfen wird
demnächst auch noch Strom erzeugt. Alle 16 Dächer der Bauernhofgebäude werden in den
kommenden Wochen mit Solarzellen verkleidet. „Eine gute Sache“, sagt Geschäftsführer
Wolfgang Becker, „wir sparen uns damit Investitionen.“ Der „Solarpark Löbnitz“ ist ein
Gemeinschaftsprojekt des Agrarbetriebes und der Firma Meridian Neue Energien aus Suhl. Das
Thüringer Unternehmen bezahlt dem Löbnitzer Betrieb die teure Sanierung der alten Dächer. Im
Gegenzug darf Meridian darauf seine Solarmodule montieren – und verdient später an der
Einspeisung des erzeugten Stromes. Der Solarpark liefert genug Strom für 535 Vier-Personen-
Haushalte. Zwei weitere solcher Parks hat die Firma bisher in MV gebaut. Auch in Rubkow
(Ostvorpommern) und Kublank (Mecklenburg-Strelitz) bekamen Bauernhöfe neue Dächer mit
Fotovoltaik- Zellen. Weitere Großanlagen von anderen Investoren gibt es unter anderem in
Greifswald, Barth, Lubmin und Relzow. In Marlow (Nordvorpommern) gibt es Pläne für einen
40 Hektar großen Park.

Trotzdem liegt Mecklenburg-Vorpommern bei der Erzeugung von Sonnenstrom bislang eher
zurück. „Das Land ist noch ausbaufähig“, sagt Sebastian Fasbender, Sprecher des
Bundesverbandes Solarwirtschaft. Im Vergleich zu anderen Bundesländern blieb in MV der
große Durchbruch noch aus – trotz garantierter Einnahmen aus der Einspeisevergütung. Zu
diesem Schluss kommt das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in einem aktuellen
Standortgutachten zur Fotovoltaik in Deutschland. Beim Bundesländerpreis für erneuerbare
Energien landete MV im Mittelfeld auf Rang sieben. Es fehlt an Forschungspapazität und einem
klaren Energieprogramm, bemängelten die Gutachter.
Auch als Produktionsstandort stand das Land bisher im Schatten des „Solar-Valley“ in Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Thüringen mit seinen vielen Firmen. Aber das ändert sich gerade in
rasantem Tempo. In Greifswald erweitert die Berliner Solon AG ihre Produktion bei dem
Industriedienstleister ml&s. „Die neuen Anlagen werden zurzeit eingefahren“, sagt Andreas
Koebernik, Geschäftsführer von Solon Nord. Wenn die Maschinen rund um die Uhr laufen,
verlassen jede Woche zehntausend Solarmodule das Werk. Bis zu 350 Mitarbeiter sind in
Greifswald für Solon tätig, darunter viele Leiharbeiter. Mit einer maximalen Jahresproduktion
von 180 Megawatt wird die neue Fabrik nach eigenen Angaben die größte Fertigungsstätte für
Solarmodule in Europa. 20 Millionen Euro investierten Solon und ml&s seit 2007 in den Ausbau
des Standortes.

Auch in Wismar schafft die Branche neue Jobs. Am 28. November eröffnet das Unternehmen
Centrosolar offiziell sein neues Werk. 20 Millionen Euro wurden in den Ausbau investiert. Der
Vorgängerbetrieb existiert bereits seit 1996. Die neue „Sonnenstromfabrik“ soll 2010 rund 360
Mitarbeiter beschäftigen und Solarmodule mit einer Leistung von bis zu 150 Megawatt
erzeugen. Noch werden die meisten in MV produzierten Solarzellen für den europaweiten Markt
produziert. Der Bundesverband Solarwirtschaft rechnet mit einer positiven Entwicklung bei den
Sonnenstrom-Parks im Land. „Bei ihnen gibt es doch viel Sonnenschein“, sagt Sprecher
Fasbender.

GERALD KLEINE WÖRDEMANN