Adam: Region braucht Steinkohlekraftwerk

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Ostsee-Zeitung l Donnerstag, 20. März 2008 | Hansestadt Greifswald l 642 Wörter
Adam: Region braucht Steinkohlekraftwerk

MdB Ulrich Adam ärgert sich darüber, wie zum Teil übers geplante Steinkohle- kraftwerk diskutiert wird. Es werde viel suggeriert, sagt er. OZ sprach mit ihm.

OZ: Sie haben sich jetzt zu Wort gemeldet in Sachen Steinkohlekraftwerk Lubmin. Warum?
Adam: Weil es mich aufregt, dass immer so getan wird, als sei eine ganze Region dagegen. Dem ist aber nicht so. Sicher ist das Steinkohlekraftwertk umstritten. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Gegner nicht in der Mehrheit sind. Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass jene, die am lautesten schreien, jene sind, die gut versorgt in Lubmin einfach nur ihre Ruhe haben wollen. Aufgeregt hat mich auch, dass mit Bildern gearbeitet wurde, die einfach nicht stimmen. So ist das geplante Steinkohlekraftwerk von keiner Stelle des Strandes aus einsehbar. Die Gegner suggerieren das aber mit einer Postkartenaktion. Wir als CDU sind 1990 angetreten, Lubmin als Energie- und Industriestandort zu erhalten. Der einzige Ausschluss, den es gibt, ist Kernenergie. Uns geht es vor allem darum, in Lubmin wieder Arbeitsplätze zu schaffen. Auch in Hinblick darauf, dass bei den Energiewerken Nord der Abbau des alten Kernkraftwerkes in den kommenden Jahren vollendet sein wird. Für jene Leute, die jetzt noch dort beschäftigt sind, muss es eine Alternative geben. Bei 18 Prozent Arbeitslosigkeit in der Region bin ich nicht bereit, übers Steinkohlekraftwerk zu diskutieren. Hätten wir 4,5 Prozent Arbeitslosigkeit wie Baden-Württemberg, dann könnte ich die Gegner verstehen.

OZ: Nun machen die Kraftwerksgegner aber darauf aufmerksam, dass ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin schwerwiegende Folgen für die Umwelt hat und mit Tourismus nicht vereinbar ist.

Adam: Die deutsche Umweltgesetzgebung ist eine der besten der Welt. Von daher sind Höchstmaßstäbe von vornherein angelegt. Außerdem habe ich vollstes Vertrauen in die Beamten, die dies im Zusammenhang mit der Antragstellung zu prüfen haben.

OZ: Fast 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität haben jetzt einen Appell an die politische Vernunft und Zukunftsverantwortung unterschrieben. Auch sie fordern: „Kein Steinkohlekraftwerk in Lubmin!“ Kann man das negieren?

Adam: Da sie wie ich vom deutschen Steuerzahler bezahlt werden, sollten sie sich in dieser Frage eher zurückhalten. Ich wiederhole mich: Es handelt sich bei den Unterzeichnern um Leute, die alle ihren Job haben. Wer keinen Job hat, redet anders. Erst neulich habe ich in der OZ einen Auszug aus einem Brief eines 40-jährigen Vaters gelesen, der seine Familie in Greifswald zurücklassen musste, weil er in Lubmin keine Arbeit mehr findet. Er würde gern zurückkommen.

OZ: Aber auch die Politik ist zerstritten, wenn es ums Steinkohlekraftwerk geht. Ihr Parteifreund Alfred Gomolka, immerhin erster Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern nach der Wende, spricht sich ebenfalls klar dagegen aus. Ebenso der ehemalige Umweltminister Prof. Wolfgang Methling von den Linken, ein anerkannter Fachmann.

Adam: Alfred Gomolka ist eine Ausnahme in der CDU. Meine Partei ist für die Entwicklung des Industrieparks Lubmin. Es gibt in Mecklenburg-Vorpommern nur zwei derartige Entwicklungszentren. Eines ist Rostock, das zweite Lubmin. Man darf ja auch nicht vergessen, dass jede Investition weitere nach sich zieht.

Herrn Methling erinnere ich daran , dass er in seiner Amtszeit die Regionalplanung für Lubmin mitbeschlossen hat. Damals hat er nichts davon gesagt, dass er gegen Kohle ist.

OZ: Teilt eigentlich die Bundeskanzlerin ihre Meinung?

Adam: Ich bin nicht jeden Tag mit ihr zusammen. Aber beim politischen Aschermittwoch in Demmin hat sie sich nochmals klar und deutlich fürs Steinkohlekraftwerk ausgesprochen. Ihre Haltung, denke ich, hat sich nicht geändert. Zumal wir zurzeit den EU-Energiegipfel vorbereiten, bei dem es um die Zukunftsversorgung mit Energie geht. Ich glaube, wir müssen, den Leuten noch mehr klar machen, dass Energiefragen Zukunftsfragen sind. Jeder merkt, wie teuer Sprit ist. Dass diese Entwicklung ganz eng mit den Schlüsselfragen der Energieversorgung zusammen hängt, scheint noch nicht überall im Bewusstsein zu sein. Interview: R.AMLER