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Ostsee-Zeitung l Donnerstag, 06. März 2008 | Mecklenburg-Vorpommern l 354 Wörter
CDU streitet über Lubmin

Das geplante Kohlekraftwerk am Greifswalder Bodden sorgt nicht nur innerhalb der SPD für Turbulenzen. Auch bei den Christdemokraten brodelt es.
Greifswald (OZ) Bereits im vergangenen September gab es prominentes CDU-Störfeuer gegen das umstrittene Steinkohlekraftwerk des dänischen Investors Dong Energy. Der Europa-Abgeordnete und frühere Ministerpräsident Alfred Gomolka ätzte damals, 1000 Arbeitsplätze während der Bauphase seien „kein Argument“. Der zu erwartende Ausstoß an Kohlendioxid von zehn Millionen Tonnen im Jahr sei „viel zu hoch“. Gestern legte Gomolka noch einmal nach. Durch das Projekt würden nicht nur erhebliche Flächen beansprucht und die Schifffahrtswege zusätzlich belastet. Es sei auch mit regelmäßigen Ausbaggerungen des Greifswalder Boddens zu rechnen, erklärte der Ex-Regierungschef in Greifswald.

Gomolka ist lediglich die Spitze des Eisberges. Schon lange zeichnet sich ab, dass die mit über 90 Prozent zur Schau gestellte Zustimmung für den Kohlemeiler, erzielt auf dem CDU-Landesparteitag in Binz Anfang Dezember, auf tönernen Füßen steht. In einer Forsa-Umfrage sprachen sich 60 Prozent der CDU-Anhänger im Land gegen das Zwei-Milliarden-Projekt aus. Doch davon will in der CDU-Spitze niemand etwas wissen. Noch vor einer Woche stellte sich die CDU-Landtagsfraktion geschlossen hinter den Kraftwerksbau. CDU-Landeschef Jürgen Seidel wehrt in Nibelungentreue jeden Angriff gegen das Kraftwerk ab.

Unterstützung bekommt Kritiker Gomolka allerdings von einem ehemaligen Kabinettskollegen. Ex-Umweltminister Frieder Jelen (CDU) sagte, er sehe noch erheblichen Prüfungsbedarf der Fachbehörden. Das betreffe unter anderem die zu erwartenden Folgen für die Wassertemperatur und -qualitäten im Greifswalder Bodden sowie Fragen zum Ausbau des bestehenden Stromleitungsnetzes.

Auch die CDU-Basis auf Rügen murrt unentwegt. „Wenn das Kraftwerk kommt, bleibt uns nichts anderes übrig, als den toten Fischen die Augen zuzudrücken“, erregte sich das Göhrener CDU-Mitglied Bernd Elgeti. Andere Rüganer fürchten nach wie vor die Gefahr, beim angeblichen Kohleumschlag vor Lubmin könnten beträchtliche Mengen an Steinkohle in die Ostsee gelangen und anschließend die Ostsee-Strände verschmutzen. Der frühere CDU-Landeschef und Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg wischt jegliche Kritik beiseite. „Was ist die Alternative? Atomkraftwerke in Bulgarien? Kohlekraftwerke in der Slowakei?“ Laut Rehberg läuft Deutschland ohne die Nutzung von Steinkohle in eine Energie-Falle. Mindestens bis 2030 sei Kohle mit einem Anteil von 29 Prozent für die Elektrizitätserzeugung „unverzichtbar“.

JÖRG KÖPKE