Das Gesicht des Kraftwerks

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Ostsee-Zeitung l Freitag, 14. März 2008 | Hansestadt Greifswald l 524 Wörter
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Projektleiter Peter Gedbjerg steht für die Pläne des dänischen Investors Dong, in der Lubminer Heide einen Kohlemeiler zu errichten. Der 55-Jährige wirbt emsig für das Vorhaben.

Lubmin Der Name steht für Optimismus. Mitten in Lubmin, in der „Villa Hoffnung“, hat der dänische Energieriese Dong sein Büro eingerichtet. Von hier zieht Projektleiter Peter Gedbjerg die Fäden, um das Großvorhaben der Dänen in die Tat umzusetzen: Für zwei Milliarden Euro wollen sie in der Lubminer Heide ein Steinkohlekraftwerk errichten. Mit 1600 Megawatt Leistung soll es ab 2012 fahren und bis zu zehn Millionen Tonnen CO2 jährlich in die Luft blasen dürfen.
Peter Gedbjerg sagt, er sei guter Hoffnung, dass sein Unternehmen das Projekt wie gewünscht verwirklichen kann. Trotz allen Widerstands, der sich in der Region formiert hat. Spurlos vorbeigegangen sind die Proteste an dem 55-Jährigen nicht. Sein Gesicht wirkt ernster als Anfang 2007, als die ersten Pläne für den Meiler bekannt wurden. Wer Peter Gedbjerg schon entspannt in seiner Heimatstadt Aarhus sah oder lachend beim Bier im Kopenhagener Tivoli, weiß, dass viel Druck auf dem vierfachen Familienvater lastet.

„Ich kann als Manager damit leben, dass man zu Hause Erfolg erwartet und ich hier hart kämpfen muss“, sagt der Skandinavier. Doch er verschweigt nicht, dass ihn einiges der Kritik aus den Bürgerinitiativen getroffen habe: „Die Vorwürfe, dass wir Entscheidungsträger in der Region bestochen haben sollen, um an unser Ziel zu kommen, waren verletzend“, sagt Peter Gedbjerg. Dabei mögen viele Menschen in der Region den passionierten Segler gern. Das kann man immer wieder erleben. Er schaut offen, spricht mit Bedacht, gibt sich zurückhaltend. Auf rund 50 Veranstaltungen hat der Dong-Geschäftsführer inzwischen die Pläne seiner Firma erläutert. Vor Parteien und Vereinen, vor Befürwortern und Gegnern, auf großen Diskussionspodien. Aufklärung zum Projekt gehört vor der Bauphase zu seinen Hauptaufgaben. 300 Kommunalpolitiker lud er nach Kopenhagen ein und führte sie durch „Avedore II“ – das Referenzobjekt für den Meiler, der in Lubmin entstehen soll. Gedbjerg ist zum Gesicht von Dong in der Region geworden – ein bisschen „personifiziertes Kraftwerk“.

Er habe die Landschaft und Menschen um Usedom dabei ins Herz geschlossen, betont der Diplom-Ingenieur für Thermodynamik. Den Kraftwerksbau sieht er als Segen für die Gegend. „Der wirtschaftliche Aufschwung wird die eher geringen Beeinträchtigungen in der Umwelt aufwiegen“, meint Gedbjerg.

Die SPD-Idee, das Kraftwerk nur in halber Größe zu bauen, hält der Manager für unwirtschaftlich. Realistischer sei eine Vereinbarung, mit der sich Dong verpflichte, eine bestimmte Anzahl an Betriebsstunden im Jahr nicht zu überschreiten, um den CO2-Ausstoß gering zu halten. „Dass wir zeitweise volle Leistung fahren können, ist wichtig, um zu Stunden, in denen Strom besonders nachgefragt ist, zu verdienen. Und es kann auch wichtig sein, wenn die Netze anderer großer Stromversorger ausfallen“, meint Gedbjerg.

Derzeit sei Dong intensiv damit beschäftigt, die Unterlagen nachzureichen, die das Staatliche Amt für Umwelt und Natur für die Genehmigung fordert. „Dieser Prozess wird unser Projekt aber nicht verzögern“, ist der Dong-Geschäftsführer sicher. Ein bisschen hofft er das auch aus privaten Gründen. Denn wenn der erste Spatenstich für das Kraftwerk erfolgt ist, wird in seinen Arbeitsalltag etwas mehr Ruhe einkehren.

ALEXANDER LOEW