DAS THEMA: Steinkohlekraftwerk - Mehr Ablehnung als Zustimmung

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Ostsee-Zeitung l Dienstag, 18. März 2008 | Leserforum l 795 Wörter
DAS THEMA: Steinkohlekraftwerk - Mehr Ablehnung als Zustimmung

Der geplante Bau des Kohlekraftwerks am Greifswalder Bodden erhitzt weiterhin die Gemüter. Hier einige Meinungen:
Ulrich Heiden, Fellbach:
Man macht sich um die noch nicht einmal geschlachtete Sau Gedanken: Wie man die zu erwartenden Steuern am besten verteilt. Glückwunsch an die betreffenden Gemeinden, dass sie von dem wahrscheinlichen Geldsegen viel Gutes für ihre Bürger tun können. Lothar Steinhäuser, Greifswald:
Ein ordnungsgemäßes Genehmigungsverfahren hätte – abgesehen von der fragwürdigen Ergebnisvorwegnahme durch die Landesregierung – bei den eingestandenen Umweltauswirkungen nicht zu 27 nachzureichenden Unterlagen-Komplexen führen müssen.

Günter Hering, Rostock:
In Rostock haben wir die technisch mögliche und ausgereifte Alternative eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes bereits in den 90er Jahren während des Genehmigungsverfahrens für das Steinkohlekraftwerk Rostock diskutiert. Das Verfahren basiert auf Kohlevergasung und Rohgasreinigung vor der Verbrennung. Es setzt kaum Schadstoffe frei und es verdoppelt nahezu den Wirkungsgrad. So viel Innovation scheint die Entscheidungsträger in panische Angst zu versetzen. Es stimmt nicht, dass sich das Rostocker Kohlekraftwerk nicht negativ auf den Tourismus auswirke. Nur redet kaum ein Hotelier öffentlich davon, denn je mehr davon wissen, desto weniger kommen.

Heiko Stepanek, Rostock: Vor der eigenen Haustür in Rostock wird an „Lubmin (hoch) 2“ bereits kräftig gearbeitet. Wir lassen uns vom Energieriesen Vattenfall zwischen Strand und Stadthafen eine riesige Müllverbrennungsanlage bauen, Kapazität 230 000 Tonnen. Wir Rostocker produzieren aber nur 50.000 t Müll im Jahr. Dass die Abgase aus der Anlage gesundheitsschädigend sind, kann sich wohl jeder denken. Und keiner regt sich auf. Die Dänen (von da kommt Dong) und die Schweden (Heimatland von Vattenfall) lachen sich kaputt über so viel Naivität in unserem schönen Urlaubsland. In beiden Ländern sind solche Anlagen wie in Lubmin oder Rostock gar nicht mehr genehmigungsfähig. Dafür fahren da die Urlauber hin.

Freya Müller, Berlin:
Ich bin empört! Wie kann man mit dem Hinterteil umschmeißen, was man sich vorne aufgebaut hat? Das Tourismus- und Gesundheitsland Mecklenburg Vorpommern entwickelt sich seit Jahren mit großem Erfolg. Aus der Tourismusbranche kommend, weiß ich, dass die Zukunftsprognosen sehr gut sind. Warum gefährdet man diese Entwicklung? Gemäß der von der Bürgerinitiative „Kein Steinkohlekraftwerk in Lubmin“ ausgewerteten Fakten würde das Kohlekraftwerk weit mehr Schaden anrichten, als von offizieller Stelle zugegeben. Ich fühle mich betrogen! Ich bin nach der Wende wie viele andere Kleininvestoren aus den alten und neuen Bundesländern durch Steuervorteile gelockt worden, mein Geld hier zu investieren. Ich habe in Göhren eine Ferienwohnung. Nun ändert die Politik ihre Strategie und das Projekt „Tourismus in MV“ wird nun nicht mehr unterstützt. Unglaublich! Wer kommt für die Verluste auf? Wer entschädigt zerstörte Existenzen?

Klaus Kunze, Krummin:
Niemand weiß heute, ob Dong im Laufe der Jahre baut, wie dann die Kreisreform aussieht und wie Großgemeinden, die sich erst bei 10 000 bis 30 000 Einwohnern rechnen, zustande kommen. Großkonzerne haben immer die Möglichkeit vieler Abschreibungen, und für Gewerbesteuern müssen Gewinne ausgewiesen werden.

Eberhard Meißner, Dersekow:
Aus wirtschaftlicher Sicht ist es für Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) bedeutsam, dass mit dem Lubminer Kraftwerk im Land künftig mehr Energie produziert als verbraucht würde. MV wird nicht Energieexportland mit Kohlekraftwerken. Denn mit Kohle würde Primärenergie mit samt allen Schadstoffen importiert und höchstens zu 40 Prozent als saubere Elektro-Energie exportiert. Die Schadstoffe bleiben hier.

Torsten Jelinski, Thiessow:
Den Kraftwerksgegnern geht es nicht um die Verhinderung von Industrieansiedlungen, sondern um umweltverträgliche Lösungen.

Ute Metzler, Köln:
Wir Touristen werden selbst entscheiden, ob wir Geld dafür ausgeben, um uns von einem riesigen veralteten Kohlekraftwerk vergiften zu lassen. CO2-Abscheidung, da kann ich nur lachen. Mit dem Slogan soll der Bau dieser Kraftwerke gerechtfertigt werden. Wir fahren seit Jahren nach Usedom und Rügen, auch aus gesundheitlichen Gründen. Doch damit ist jetzt Schluss! Ein Bundesland, das doch lieber auf Energieexport als auf Tourismus setzt, verzichtet anscheinend gerne auf uns! Deshalb geht es in Zukunft an die Nordsee.

Holger Wegner, Ludwigslust:
Wo haben die Bündnisgrünen die Debatte um das geplante Steinkohlekraftwerk Lubmin denn „fast verschlafen“? Die Bündnisgrünen MV hatten schon sehr früh den Vorschlag einer Volksinitiative in die Diskussion eingebracht. Dazu waren auch Grüne an der Bildung einer Bürgerinitiative sowie des Widerstands vor Ort mitbeteiligt. Die Landessprecherin der Bündnisgrünen Ulrike Berger hat zusammen mit den Herren Kuessner (SPD) und Methling (Die Linke) im Februar in Schwerin die Volksinitiative „Sauber bleiben“ mit vorgestellt. Von einer „fast verschlafenen“ Debatte bei den Bündnisgrünen kann in diesem Fall wohl keine Rede sein.