Der Zauberpeter

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Ostsee-Zeitung | 05.02.2009 | Leserbrief von Eberhard Meißner aus Dersekow
Der Zauberpeter

Bisher beteuerte DONG-Projektleiter Peter Gedbjerg, eines der modernsten Kraftwerke bauen zu wollen und auf allen Gebieten die beste verfügbare Technik (BVT) einzusetzen. Das wurde von den Umweltverbänden, Ingenieuren und Bürgerinitiativen bezweifelt. Mit Recht, wie jetzt DONG zugibt. Wenn Herr Gedbjerg ein völlig neues Kohlekraftwerk aus dem Ärmel zaubert, muss er sich fragen lassen (vor allem von Herrn Dr. Backhaus), warum er erst versucht hat, eine Anlage anzubieten, die einen bis zu fünf Mal höheren Schadstoffausstoß verursacht hätte. Offenbar handelt es sich um ein ganz anderes Kraftwerk, welches jetzt gebaut werden soll, und die Antragsunterlagen müssen erneut ausgelegt und öffentlich erörtert werden.

Positiv wertete der Minister die Initiative des Unternehmens, sich um die Ausrichtung eines von der EU geförderten Pilotprojektes zur CCS-Abscheidung zu bewerben. Dem Minister ist aber folgendes bekannt oder müsste bekannt sein, weil es Gegenstand der Erörterung war:
Für den Abtransport des aus einem1600 MW-Steinkohlekraftwerk abgeschiedenen CO2 wären jährlich 15.000 Kesselwagen-Güterzüge erforderlich. Das ist mehr als das 4-fache des Transportaufkommens für die Steinkohle. Für den Fall Lubmin würde das bedeuten, dass stündlich zwei Züge das Werk verlassen und leer wieder zurückkommen müssten. (vier Zugbewegungen pro Stunde, Tag und Nacht) Nur weiß keiner, wohin die fahren müssten.

Der Entwicklungschef des dänischen Energiekonzerns Dong Energy Power, Rudolph Blum, gibt am 23.11.2008 gegenüber der taz unumwunden zu: Die Abscheidung von Kohlendioxid (CO2) aus einem Steinkohlekraftwerk rechnet sich nicht. "Der Energieverbrauch ist ganz einfach viel zu groß". Der von der EU mitfinanzierte Pilotversuch "Castor" in Esbjerg hatte ergeben, dass für die Abscheidetechnik ein bis zu 70 Prozent höherer Kohleeinsatz notwendig wäre, um die gleiche Menge Elektroenergie zu erzeugen. Noch nicht mitgerechnet ist die Energie, die bei der Komprimierung und Verflüssigung des Kohlendioxids, bei dem Transport und beim Verpressen in unterirdische Lager verbraucht würde. 

"Castor" war das bislang größte Pilotprojekt. Dennoch passierten dort gerade einmal 0,5 Prozent der Rauchgase des Esbjerg-Kraftwerks die Abscheideanlage. Der erreichte CO2 -Reinigungseffekt war nicht 100, sondern lediglich 90 Prozent. Das kostenaufwendig abgeschiedene CO2 wurde anschließend nicht unterirdisch verpresst, sondern in die Atmosphäre geblasen.

Das CCS-Märchen ist geplatzt. Und dennoch: Am 10.12.2008 gründen RWE npower, Peel Energy und DONG Energy ein joint venture zur Entwicklung eines CCS Demonstrationsprojektes in Großbritannien.
Die Energiekonzerne versuchen immer wieder, mit EU-Fördermitteln die Sackgassentechnologie Kohleverstromung reinzuwaschen. Damit biedern sie sich Regierungen und Bürgern als Klimaretter an. Bürger fallen darauf nicht herein. In Wirklichkeit sind die Konzerne nur bestrebt, „Gelddruckmaschinen“ zu bauen, obwohl der Strom in Deutschland nicht gebraucht wird.

Ein Umweltminister (Backhaus) darf einer Ressourcenverschwendung nicht zum Munde reden. Ein Verbraucherschutzminister (Backhaus) muss die Interessen der Verbraucher (alle sind Stromkunden und Steuerzahler) vertreten. Diese Experimente, deren negatives Ergebnis jetzt schon bewiesen ist, zahlen wir alle. Ausgenommen die Aktionäre der Energiekonzerne. 

Aber auch Politiker und ihre Parteien bezahlen: Mit dem Ergebnis künftiger Wahlen.