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Ostsee-Zeitung Wochenendausgabe, 08. März 2008 | Hansestadt Greifswald l 206 Wörter
Die Betrachtung zum Wochenende Namensspielerei

Die Bürgerliste - sie ist mit zwei Abgeordneten in der Bürgerschaft vertreten - hat eine Beschlussvorlage für die nächste Bürgerschaftssitzung eingereicht. Sie will verhindern, dass durch Dong Energy aber auch Steinkohlekraftwerksgegner der gute Ruf des Namens „Universitäts- und Hansestadt Greifswald“ Schaden nimmt. Hintergrund des Ansinnens ist die Internetpräsenz. Denn will man im World Wide Web etwas über das Steinkohlekraftwerk erfahren, erfährt man es über Greifswalder Adressen: www.kraftwerke-greifswald.de oder www.kraftwerkgreifswald.de usw. Das könne nicht sein, mahnen die Bürgerlistler an, schließlich sei es sachlich falsch, das Kraftwerk so zu nennen. Der künftige Betrieb stehe weder auf Stadtflächen, noch sei Greifswald am Genehmigungsverfahren beteiligt, monieren sie. Der Beschluss der Bürgerliste sieht deshalb vor, Dong und die Kraftwerksgegner aufzufordern, künftig den Namen Greifswald im Zusammenhang mit dem Steinkohlekraftwerk nicht mehr zu nennen. Ob das gelingt, ist fraglich, denn juristisch gibt es wohl dafür keine Handhabe. Der Stadtname Greifswalds ist nicht geschützt.

Aber stellen wir die Frage doch einmal anders: Soll die Internetadresse künftig www. kraftwerke.lubmin heißen? Da kenne ich schon jemanden, der dann auf die Barrikade geht. Lubmins Bürgermeister Klaus Kühnemann. Mehrmals drohte er der OZ mit rechtlichen Schritten, weil diese in ihrer Berichterstattung immer wieder von den Energiewerken Lubmin sprechen. Sie befinden sich aber nicht in Lubmin, wird das Gemeindeoberhaupt nicht müde, zu belehren, sondern auf Gemarkungen Rubenows.

Also sollten die Internetadressen doch gleich in www.kraftwerke.rubenow umbenannt werden. Für den User würde sich dann die Frage stellen: Wo liegt Rubenow? Bei Greifswald würde er erfahren.

Also, was soll die Namensspielerei? Würde alles so einfach geografisch zu ordnen sein, bräuchte in Greifswald doch auch niemand protestieren. Und auf Rügen schon gar nicht. Dann würde es doch auch reichen, veranstalteten die Rubenower Benefizkonzerte.
REINHARD AMLER