Durch die Hintertür

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Ostsee-Zeitung l Freitag, 17. April 2009 | Hansestadt Greifswald
Durch die Hintertür

Wind statt Kohle, besser Bürgerbündnisse statt zu viel Partei. Die Grünen sehen sich als flexible Politik-Truppe. Gestern machte Cem Özdemir Wahlkampf.

Greifswald Die Grünen gewinnen jeden Tag – zumindest neue Mitglieder hinzu. Sie sind die einzige Partei, die sich in Mecklenburg-Vorpommern im Wachstum befindet, während Union, SPD und Linke schrumpfen. 340 Menschen im Land haben zurzeit ein grünes Parteibuch. Sie hätten künftig auch gerne mehr Macht in den Parlamenten. Erste größere Wahlkampf-Maßnahme, bevor am 7. Juni über die Sitzverteilung in den kommunalen Vertretungen abgestimmt wird: Ein Abend mit Cem Özdemir. Der Bundesvorsitzende war zum Frühlingsempfang im St. Spiritus zu Gast.

Zentrales Thema: Das geplante Kohlekraftwerk in Lubmin. Die Haltung der Grünen lässt im Gegensatz zu der der anderen Parteien keinerlei Spielraum für Uneindeutigkeiten. Özdemir: „Die Energiepolitik der großen Koalition und der FDP spielt Atom gegen Kohle aus. Wir müssen raus aus Beidem.“ Ullrich Bittner, Spitzenkandidat für den Einzug in die Greifswalder Bürgerschaft, sekundierte: „Es ist eine Regelversorgung notwendig, die bei Bedarf zugeschaltet werden kann.“ Schattenkraftwerke zur Absicherung der Grundlast „sind unnötig“. Auf Basis fossiler Energieträger seien mit den Grünen höchstens Gaskraftwerke machbar, ergänzte Özdemir. Zwei davon sollen ebenfalls in Lubmin entstehen.

Der grüne Landesvorsitzende Jürgen Suhr versprach, dass die Verhinderung des Kohlekraftwerkes als „zentrales Wahlkampfthema“ gesetzt sei. Bislang hatten sich die Grünen in Vorpommern eher durch die Hintertür gegen die Pläne des dänischen Energiekonzerns Dong Energy engagiert und sich den Bürgerinitiativen dagegen angeschlossen. Suhr: „Wir stehen in der Mitte aller Bürgerinitiativen.“ Man dürfe dieses Engagement nicht zu sehr unter den Parteischirm stellen, so Suhr. Er bezeichnete dies als „flexibles Erfolgsrezept der Partei“, womit es gelinge, nach und nach die Akzeptanz grüner Politik in MV zu erhöhen. 

BENJAMIN FISCHER