Emden macht gegen neues Kohlekraftwerk mobil

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WELT Online19. M├Ąrz 2008

Emden macht gegen neues Kohlekraftwerk mobil

von Oliver Pietschmann:B├╝rgermeister f├╝hlt sich "eingekesselt von Schornsteinen" - Zahlreiche Neubauten an der Nordseek├╝ste geplant

Emden - Entgegen allen Planungen f├╝r Kraftwerksneubauten an der Nordseek├╝ste lehnt Emden den Bau eines Kohlekraftwerkes in der Stadt zum jetzigen Zeitpunkt ab. "Das wollen wir nicht haben, zumindest nicht auf dem Stand der Technik von heute", sagte Oberb├╝rgermeister Alwin Brinkmann (SPD) in einem Gespr├Ąch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Wenn schon ein Kohlekraftwerk, dann aber eines der Zukunft, bei dem der Kohlendioxidaussto├č Richtung Null geht. "Das gibt es noch nicht, das ist noch in der Forschung", sagte der Oberb├╝rgermeister.

Die Hafenstadt ist im Landesraumordnungsprogramm f├╝r einen Kraftwerksbau vorgesehen. Der d├Ąnische Energiekonzern Dong Energy plant einen Kohlemeiler mit 800 Megawatt Leistung. Er soll auf einem 370 000 Quadratmeter gro├čen Gel├Ąnde zwischen 2012 und 2015 entstehen.

"Wir k├Ânnen uns aus der ganzen Verantwortung nat├╝rlich nicht stehlen, aber was haben wir davon", sagte Brinkmann. "Die Situation ist, dass in Deutschland Kraftwerkskapazit├Ąten in einer Gr├Â├čenordnung von bis zu 30 000 Megawatt ersetzt werden m├╝ssen durch das Abschalten der Kernkraftwerke und durch veraltete Kohlekraftwerke." Vor diesem Hintergrund gibt es einen "Run zur K├╝ste". Die kosteng├╝nstigste Energieerzeugung sei immer noch mit Importkohle gew├Ąhrleistet. "Wenn es diesen Run gibt, dann sucht man sich logischerweise Hafenst├Ądte aus."

Wilhelmshaven, Hamburg, die Niederlande, Emsland, ├╝berall gebe es Pl├Ąne f├╝r Kraftwerksbauten. "Wir sind eingekesselt, so ein Schornstein streut ja nun mal locker 100 Kilometer", sagte Brinkmann. In Emden und Ostfriesland gebe es die Situation, dass drei Gaspipelines aus verschiedenen Feldern Norwegens anlanden. "Deshalb macht es keinen Sinn, in Emden ein Kohlekraftwerk zu bauen. Wenn schon ein Gro├čkraftwerk, dann ein kombiniertes mit gasbetriebenen Turbinen."

An der deutschen Nordseek├╝ste sollen in naher Zukunft eine ganze Reihe neuer Kraftwerke entstehen. In Wilhelmshaven hat der Stadtrat vor einem Monat gr├╝nes Licht gegeben. Eine gro├če Mehrheit der Parteien im Stadtrat billigte die Pl├Ąne des franz├Âsisch-belgischen Energiekonzerns Electrabel f├╝r einen 800 Megawatt-Meiler. Den Pl├Ąnen zufolge soll das Kraftwerk 2011 oder 2012 direkt neben dem Areal des geplanten Tiefwasserhafens ans Netz gehen. Allerdings rechnet die Stadt noch mit juristischem Widerstand von Gegnern der Anlage. In direkter Nachbarschaft plant auch der Energiekonzern E.on einen Meiler. Der k├╝nftige Tiefwasserhafen gilt als sehr g├╝nstig f├╝r die Anlandung von Kohle. Umweltsch├╝tzer kritisieren hingegen die Pl├Ąne f├╝r Kraftwerksneubauten heftig und fordern den Ausbau erneuerbarer Energien. K├╝rzlich hatten auch der amerikanische Chemie-Konzern Dow Chemical und der s├╝ddeutsche Energieversorger EnBW Planungen f├╝r ein gemeinsames 1000 Megawatt-Kraftwerk in Stade bekannt gegeben. In Brunsb├╝ttel gibt es Pl├Ąne f├╝r gleich drei Anlagen. Kiel hingegen hat ein geplantes Kraftwerk f├╝r drei bis f├╝nf Jahre auf Eis gelegt, um technologische Fortschritte abzuwarten.

In Bremen wurde sogar k├╝rzlich ein kompletter Schlussstrich unter alle Kraftwerkspl├Ąne gezogen. Zusatzkosten von Hunderten Millionen Euro stoppten in der Hansestadt das Projekt. Es war umweltpolitisch hoch umstritten.