Greifswalder fürchten um guten Ruf

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Ostsee-Zeitung l Mittwoch, 02. April 2008 | Hansestadt Greifswald l 428 Wörter
Greifswalder fürchten um guten Ruf

Dong Energy und Kraftwerksgegner sollen die längste Zeit mit dem Namen Greifswald agiert haben. Die Bürgerschaft ist dagegen. Greifswald Die Hansestadt und ihr positives Image als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Technologiestandort macht viele Greifswalder stolz. Doch dieser gute Ruf „ist nichts Statisches“, warnte Markus Kolbe während der Bürgerschaftssitzung am Montag und warb für den Vorschlag der Bürgerliste, sowohl dem Investor des geplanten Steinkohlekraftwerks in Lubmin als auch Projektgegnern die Verwendung des Stadtnamens zu untersagen. Damit hatte das Mitglied des Wirtschaftsausschusses eine Lawine von zum Teil sehr emotional geführten Diskussionsbeiträgen ausgelöst. Rein rechtlich, erklärte Sandra Schlegel von der Verwaltung, sei da nichts zu machen.
Die Stadt besitze keine juristische Handhabe gegen den Umstand, dass Dong Energy im Internet unter der Adresse www.kraftwerkegreifswald.de über das Vorhaben informiert. Zumal der Investor die Stadt vorab um Erlaubnis gefragt habe. Die Gegner taten dies nicht, sind im Netz dennoch unter www.kraftwerkgreifswald.de u.a. zu finden. „Damit haben wir ein Problem“, so Dr. Ullrich Bittner, der ebenfalls um den Ruf der Hansestadt fürchtet: „Wir leben nicht auf einer Insel der Seligen und sollten darauf achten, dass unser Name sauber bleibt“, argumentierte der Fraktionsvorsitzende der Grünen/ok. Die OB-Kandidatin der Linken, Birgit Socher, unterstützte ihn: „Stadt der Gesundheit und Klimaschutz – das passt nicht mit dem Steinkohlekraftwerk zusammen.“ Hinrich Kuessner schloss sich da an: „Viele Bürger haben die von einem Kraftwerk ausgehenden Gefahren für Stadt und Region erkannt“, bemerkte der Sozialdemokrat und erwähnte, dass die für die Volksinitiative benötigten 15 000 Unterschriften zusammen sind. 220 Ärzte der Region hätten zudem eine eigene Erklärung gegen das Kraftwerk initiiert, „darunter 85 Ärzte aus Greifswald“, so Kuessner. Die Christdemokraten indes finden nahezu geschlossen nichts daran, dass der Name der Stadt mit dem Steinkohlekraftwerk in Zusammenhang gebracht wird. „Das Kernkraftwerk hieß auch Greifswald. Damals haben wir keinen Imageschaden erlitten“, meinte Fraktionsvorsitzender Axel Hochschild und bemühte die 1990 erschienene KKW-Chronik um zu betonen, dass die CDU-Fraktion dagegen sei, an dem jetzt verwendeten Begriff etwas zu ändern. Allerdings sprach er nicht für alle. Bei der namentlichen Abstimmung scherte zumindest Maria Gomolka aus und stimmte für die Beschlussvorlage – ebenso wie 18 andere Bürgerschaftsmitglieder. Unter ihnen Dr. Thomas Meyer, der den Namen „KKW Greifswald“ zuvor noch erklärte: „Das Gelände wurde damals aus strategischen Gründen eingemeindet, gehörte also als Exklave zur Stadt“, so der Vertreter der Bürgerliste. Am Ende fand sich eine knappe Mehrheit. Bei zwei Enthaltungen und 17 Gegenstimmen wird es nun darum gehen, bei Dong Energy und Projektgegnern Überzeugungsarbeit zu leisten. PETRA HASE