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Ostsee-Zeitung l 01.09. 2009 I Greifswald

Klimapiraten enterten Marktplatz

Rund 100 Gegner des in Lubmin geplanten Kohlekraftwerks demonstrierten gestern vor einem Transparent mit einem Zitat von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der sich Ende Juli 2009 gegen den Bau des Kohlekraftwerks ausgesprochen hatte.

Innenstadt - Pünktlich um 12 Uhr kaperten die Klimapiraten, ein neu gegründeter Verbund junger Aktivisten, den Greifswalder Marktplatz. Die 60 Teilnehmer aus München, Berlin, Lüneburg und der Region hatten sich ein klares Ziel auf ihre Fahnen geschrieben: Die Pläne von Dong Energy zu durchkreuzen. „Wir sind der Meinung, dass wir nur noch wenig Zeit haben, um einen katastrophalen Klimawandel zu verhindern“, erklärt David Wagner. Der 29-jährige Berliner ist einer der Initiatoren der Kampagne. Gemeinsam mit der Bürgerinitiative Greifswald gegen das Steinkohlekraftwerk wollen sie Druck auf die Politik und insbesondere auf die Landesregierung ausüben. Deshalb prangte das Motto der Veranstaltung in großen Buchstaben auf einem Transparent: „Den Standort Lubmin halte ich für hochproblematisch“. Ein Zitat des Bundesumweltministers Sigmar Gabriel (SPD).

Doch warum der Name Klimapiraten? „Wir wollen für unsere Zukunft kämpfen, sie verteidigen. Wir wollen unsere Zukunft zurückholen als Freibeuter“, begründet Wagner die Namenswahl. Doch die Klimapiraten möchten keinesfalls mit Krawall auffallen. „Wir haben gute Laune und möchten die Leute nicht verschrecken.“ Ihr Ziel sei es die Passanten „mitzureißen und aufzurütteln“. „Wir möchten mit den Leuten ins Gespräch kommen, mit ihnen diskutieren.“ Und dies gelang den Piraten auch. Im Minutentakt blieben interessierte Bürger stehen, um sich das Spektakel aus der Nähe anzuschauen. Bei strahlendem Sonnenschein wurde debattiert, getanzt und performt. Auch die Greifswalder Bundestagskandidaten waren herzlich eingeladen. Doch nur Anne Klatt von den Grünen erschien. Katharina Feike (SPD) ließ sich entschuldigen. Sie steckte im Stau.

Dennoch zeigten sich die Freibeuter mit der Resonanz zufrieden. „Das war unsere erste öffentliche Aktion. Es herrschte eine tolle Atmosphäre“, erklärt Teilnehmer Caspar Klein. „Die Klimapiraten sind ein sehr innovatives Projekt. Ich denke, dass es in Zukunft ein sehr interessantes und aktives Netzwerk sein wird, so der 26-jährige Klimawissenschaftler. Im Dezember geht es dann ganz in Piratenmanier mit dem Segelboot nach Kopenhagen, zur Klimakonferenz. „Ich hoffe, dass wir bis dahin Hunderte, wenn nicht Tausende werden“, so Wagner. F.A. Info: www.klimapiraten.net