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Ostsee-Zeitung l Montag, 7. Dez. 2009
Klimapiraten versenken Kraftwerk

Mit einem Leinen-Los-Fest haben sich am Sonnabend im Museumshafen etwa 50 Umweltaktivisten zu ihrer Reise zum Weltklimagipfel nach Kopenhagen verabschiedet. Von ANKE LÜBBERT Greifswald. Kurz bevor der Motor angeht, die letzte Leine zum Land gelöst wird, bricht auf dem Greifswalder Traditionssegler „Lovis“ Jubel aus. Die „Klimapiraten“ lassen das Energieunternehmen Dong Energy über Bord gehen. Es macht platsch – und ein als Kohlekraftwerk verkleideter Klimaaktivist liegt im Wasser. Samt dänischer Flagge und rauchender Zigarre. „Dong go home“ steht auf dem Schild einer Demonstrantin. Am Sonnabend hatten die Klimapiraten zum „Leinen los Event“ in den Greifswalder Museumshafen geladen. Mit ihrer Aktion wollen sie auf den Weltklimagipfel aufmerksam machen, der heute in Kopenhagen beginnt. Auch die Klimapiraten werden dabei sein. Auf den Segelschiffen Lovis und Petrine segeln 50 Aktivisten nach Dänemark. „Wir setzen uns dort für ein starkes und faires Klimaabkommen ein“, sagt Student Simon Straub. Während rund 80 Staats- und Regierungschefs, darunter auch Barack Obama und Angela Merkel, mit ihren Unterhändlern über ein neues Klimaschutz-Abkommen beraten, wollen die Piraten öffentlichen Druck ausüben. In Kopenhagen werden sie sich an Protestveranstaltungen und Aktionen beteiligen. Geplant ist zum Beispiel die symbolische Besetzung der Firmenzentrale von Dong Energy. „Unser Platz ist draußen, bei den Aktionen“, erklärt Straub. Das Bündnis hatte im vergangenen Sommer den Kontakt zur Greifswalder Bürgerinitiative (BI) gegen das geplante Steinkohlekraft in Lubmin gesucht. Für BI-Chef Oskar Gulla ist das ein „absoluter Glücksfall“. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, sagt er. Gulla will die Klimapiraten symbolisch bis Stralsund begleiten. Jörg Mostertz, Sprecher der Bürgerinitiative, betont, dass sich beide Gruppen perfekt ergänzten: „Viele von uns stehen im Job und können sich nicht frei nehmen um nach Kopenhagen zu fahren. Die Klimapiraten sind jung, sie haben die Energie für solche Aktionen.“ Sowohl für die Klimapiraten als auch für die Bürgerinitiative stehe das Steinkohlekraftwerk symbolisch für eine „verfehlte Energiepolitik, die beendet werden muss, um die Erderwärmung zu stoppen“, so Mostertz. Wie auch immer der Gipfel ausgehen wird, Oskar Gulla zeigt sich zuversichtlich. Die Hürden für das Steinkohlekraftwerk würden immer höher, je länger das Genehmigungsverfahren noch dauere. Gulla: „In Dänemark gibt sich Dong Energy ein grünes Image und hier wollen sie eine Dreckschleuder errichten.“ Zur Freude der unzähligen Fotografen und weniger zahlreich vertretenen Greifswalder inszenieren die Klimapiraten ein Spektakel. Der über Bord geworfene Dong-Mann erntet genauso viele Lacher wie eine als Angela Merkel verkleidete Person, die die Piraten im Beiboot hinter sich herschleppten. Als Kulisse dienen zahlreiche als Piraten verkleidete Klimaschützer. Sie tragen Kopftücher und Säbel aus Alupapier tragen. Hier und da leuchtet eine aufgemalte Narbe unter der Verkleidung hervor. Ihr Piratenimage haben die Klimaschützer bewusst gewählt: Um nicht zu brav zu erscheinen und den Druck auf die Verhandelnden in Kopenhagen zu erhöhen. Klimapiratin Astrid Goltz droht: „Wir werden den Gipfel belagern.“

INFO Die Klimapiraten
Die Klimapiraten sind ein bundesweites Bündnis, das sich auf dem Kopenhagener Weltklimagipfel für ein umfassendes Klimaabkommen einsetzt. Sie werden vom Studentenaustauschprogramm ASA und dem BUND getragen. Die Klimapiraten kooperieren mit den Bürgerinitiativen gegen das Steinkohlekraftwerk in Lubmin und segeln auf zwei Schiffen nach Kopenhagen.