Klimawandel: Sommer wird doppelt so lang wie heute

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Ostsee-Zeitung l Mittwoch, 07. Mai 2008 | Mecklenburg-Vorpommern l 389 Wörter
Klimawandel: Sommer wird doppelt so lang wie heute

Der Tourismus gewinnt, Vorpommern droht auszutrocknen: Der Klimabericht der Landesregierung beschreibt, was bis 2100 in MV passieren könnte.

Schwerin (OZ) Der Klimawandel bringt für MV Risiken und Chancen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Landesregierung, die Umweltminister Till Backhaus (SPD) und Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) gestern in Schwerin vorstellten. Den Gutachtern zufolge wird die mittlere Jahrestemperatur bis zum Jahr 2100 um 1,8 bis 3 Grad steigen.
Was zu spürbaren Folgen führen wird: Die Zahl der jährlichen Sommertage wird sich in den untersuchten Regionen gegenüber 1970 mindestens verdoppeln. Frost und Schnee werden dagegen seltener: 2100 könnte es etwa auf Rügen im Jahresdurchschnitt nur noch fünf Dauerfrost-Tage geben – 13 weniger als 1970. Profitieren wird der Tourismus. Seidel warnte aber vor überzogenen Erwartungen: „Die Vorstellung, dass die Ostsee zum Mittelmeer des Nordens wird, ist nicht ganz zutreffend.“ Auch künftige Generationen müssen sich demnach noch anstrengen, um in der Nebensaison Urlaubsgäste in ihre Hotels zu locken. Ob alles so kommt, wie es der Bericht beschreibt, ist offen. Seidel und Backhaus betonten, dass es sich nur um eine Prognose handelt, die sich nicht zwangsläufig erfüllen muss. Als Grundlage diente den Forschern von rund zehn Institutionen aus MV der Klimabericht der Vereinten Nationen von 2007. Backhaus zufolge sind die Chancen und Risiken durch die Erderwärmung im Land ungleich verteilt. Mecklenburg könne sich etwa auf wachsende Erträge beim Gemüseanbau einstellen, während in Vorpommern Ernte-Einbußen von bis zu 30 Prozent möglich seien. Um die Verwüstung von Flächen im Osten des Landes zu verhindern, könnte es notwendig werden, Ackerflächen stillzulegen und forstwirtschaftlich zu nutzen.

Eine der wichtigsten Aufgaben in Zusammenhang mit dem Klimawandel ist laut der Studie der Küstenschutz. Als „wasserreichstes Bundesland“ sei MV in Deutschland am stärksten von den Folgen der Erd-Erwärmung betroffen. 100 bis 150 Millionen Euro will das Land in den kommenden Jahren für den Bau neuer Deiche investieren, kündigte das Umweltministerium an. Ein weiteres Risiko stellt die erhöhte Waldbrandgefahr dar. Allergiker müssen sich auf weiter steigende Belastungen einstellen – etwa durch eine immer länger werdende Pollenflugsaison. Tier- und Pflanzenarten könnten aussterben. Die Umweltschutzorganisation BUND kritisierte den Bericht, weil er nicht auf die Kosten eingeht. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung belastet der Klimawandel MV bis 2100 mit zehn Milliarden Euro. Seidel und Backhaus kündigten für den Herbst einen Aktionsplan an, der auf dem jetzt vorgelegten Bericht basiert.

GERALD KLEINE WÖRDEMANN