Kohlekraftwerk: Experten warnen

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Ostsee-Zeitung l  Montag, 20. Oktober 2008 | Hansestadt Greifswald
Kohlekraftwerk: Experten warnen

Verschiedene Fachleute warnen vor schädlichen Auswirkungen, die der geplante Bau eines Steinkohlekraftwerks haben könnte.

Greifswald Als Teil des Genehmigungsverfahrens um das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin beginnt in acht Tagen in Greifswald die öffentliche Erörterung (siehe Infokasten). „Das ist die entscheidende Phase im Genehmigungsverfahren“, sagt Christa Labouvie, Sprecherin der Bürgerinitiative „Kein Steinkohlekraftwerk in Lubmin“. 8900 Bürger haben Einwände gegen das geplante Kraftwerk von DONG Energy formuliert. „Für diese Termine müssen wir alle Kräfte mobiliseren und zeigen, wie unsinnig dieses Kraftwerk ist“, sagt Labovie weiter. 
Bereits am vergangenen Freitag hatte die Landtagsfraktion der Linkspartei in Kooperation mit Bündnis 90/ Die Grünen, den Umweltschutzverbänden und den vier Bürgerinitiativen in Greifswald zu einer öffentlichen Anhörung mit Experten eingeladen. Die Informationsveranstaltung sei gleichzeitig eine Reaktion auf die unbefriedigende Anhörung im Wirtschaftsausschuss gewesen, sagt Labouvie. Dort durften im September nur die drei Vertreter der Volksinitiative sprechen. „Sachverständige und Experten waren nicht zugelassen worden. Das ist völlig unüblich und skandalös“, kommentiert Wolfgang Methling, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei, die Entscheidung der Ausschussmitglieder, die keine schädlichen Auswirkungen durch das Kraftwerk erwarten. „Wir sehen die Anhörung auch als Vorbereitung auf die Eröretrungsgespräche. Hier können wir die neuesten Erkenntnise und Entwicklungen austauschen und diskutieren“, erklärt Christa Labouvie. 
Auf der Anhörung in Greifswald präsentierten Sachverständige vom Potsdam-Institut für Klimaforschung, dem Bundesamt für Naturschutz und dem BUND-Mecklenburg Ergebnisse, die der Auffassung widersprechen, vom Kraftwerk seien keine schädlichen Auswirkungen zu erwarten. So zitierte Methling Untersuchungsergebnisse von Jörg Schmiedel (Umweltberatungsbüro Rostock), der von einer Erwärmung des Boddens durch Kühlwasseremissionen und von einer Massenentwicklung des gesundheitsgefährdenden Bakteriums Vibro vulnificus ausgeht. Von einer verstärkten, gesundheitsgefährdenden Vermehrung dieser Bakterien wäre laut Gutachten der gesamte südliche Bodden betroffen. Zu ähnlichen Ergebnissen gelangt Prof. Lutz Gürtler von der Goetheuniversität Frankfurt/Main. „Neben den Badenden sind auch Fischer und an der Fischverarbeitung Beteiligte bei erhöhter Vibro vulnificus Konzentration gefährdet“, zitiert Methling den Professor. Auf die Gefährdung der Seebäder hatte erst kürzlich auch die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) in einer neuen Studie hingewiesen (OZ berichtete). 

UDO ROLL