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Ostsee-Zeitung l  l 10.12.2009
Kraftwerks-Gegner schicken Mahnung nach Kopenhagen

Connie Hedegaard, dänische Präsidentin des Welt-Klimagipfels, soll Dong Energy zum Verzicht auf das Steinkohlekraftwerk bei Greifswald auffordern. Das verlangen Umweltschützer aus MV. Von ELKE EHLERS Schwerin (OZ) Schmelzende Eisskulpturen, Kinder, die per Tritt in die Pedale Strom für die Weihnachtsbaum- Beleuchtung produzieren, neue Radfahrer-Brücken über den Hafen – mit solchen Bildern präsentiert sich Kopenhagen in dieser Woche zumWelt-Klimagipfel als besonders umweltfreundliche Metropole. „Zweifellos, Dänemark gehörte viele Jahre zu den Vorreitern im Klimaschutz“, sagt Arndt Müller vom Landesverband der UmweltorganisationBUNDin Schwerin. In einem Ranking von 30 Ballungszentren wurde Kopenhagen gerade zur „Grünsten Stadt Europas“ gekürt. Der vom Technologiekonzern Siemens erstellte „European Green City Index“ bewertet dabei u.a. den Energie- und Wasserverbrauch, die Nutzerquote öffentlicher Verkehrsmittel und die Energieeffizienz der Gebäude. Bei gutem Wetter fährt jeder zweite Kopenhagener mit dem Fahrrad zur Arbeit. Allerdings: „Es gibt Tendenzen, die so gar nicht zu diesem Vorzeige-Image passen“, meint Müller. Darauf wollen ab morgen Umweltschützer aus Mecklenburg- Vorpommern in der dänischen Hauptstadt hinweisen. Rund 100 Mitglieder von Bürgerinitiativen, Naturschutzverbänden und Grünen werden vor der Zentrale des Energiekonzerns Dong Energy gegen den geplanten Bau des Kohlekraftwerkes am Greifswalder Bodden protestieren. Anfang dieser Woche wandte sich die Allianz „Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin“ bereits mit einer Botschaft an die Präsidentin des Klimagipfels und künftige EU-Kommissarin für Klimaschutz, Connie Hedegaard. „Frau Hedegaard setzt sich seit Monaten weltweit für strengere internationale Klimaschutzabkommen ein“, weiß Müller. Dass ein dänischer Staatskonzern auf der deutschen Seite der Ostsee ein Kohlekraftwerk bauen will, stehe dazu „in krassemWiderspruch“. „Vergessen Sie nicht, die Unternehmen Ihres eigenen Landes in die Pflicht zu nehmen“, heißt es in dem Brief an Hedegaard, die bis vor wenigen Tagen Dänemarks Ministerin für Klima und Energie war. Konkret verlangen die Mitglieder der vier Bürgerinitiativen, die 32 000 Unterschriften gegen den Bau des 1600-Megawatt- Kraftwerks sammelten: „Fordern Sie Dong Energy auf, die Pläne zur Errichtung eines Kohlekraftwerkes in Mecklenburg-Vorpommern zu stoppen.“ Dong Energy gehört zu 73 Prozent dem dänischen Staat. Der Konzern will nach eigenen Angaben seine Stromproduktion bis 2040 zu 85 Prozent auf alternative Quellen umstellen. So sollen demnächst zwei Kohlekraftwerke in Dänemark auf Biogas umgerüstet werden. Die deutschen Kraftwerksgegner sind empört: „Im eigenen Land poliert Dong Energy sein Image auf, der Dreck soll exportiert werden.“ Pro Jahr würde das Kraftwerk zehn Millionen Tonnen Kohlendioxid erzeugen.