Kraftwerks-Studie: Hering leidet kaum

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Ostsee-Zeitung l 27. August 2009 I Greifswald (OZ/dpa) Von BENJAMIN FISCHER
Kraftwerks-Studie: Hering leidet kaum
Einem neuen Gutachten zufolge hätte das Dong-Kraftwerk nur wenig Auswirkungen auf die Fische im Greifswalder Bodden. Das Wasser werde sich nur um 0,5 Grad erwärmen, heißt esHeringe und Hornhechte werden unter den in Lubmin geplanten Kraftwerken offenbar weniger leiden als bislang angenommen. Laut eines Gutachtens des Rostocker Instituts für Ostseefischerei wären die Auswirkungen derKohle- undGaskraftwerke auf den Bodden „zwar erheblich, aber weder katastrophal noch irreversibel“. Rückt damit die Genehmigung des vom dänischen Energiekonzern Dong Energy geplanten 1600-Megawatt- Kohlekraftwerkes näher? Umweltminister Till Backhaus (SPD) beschwichtigt: „Dieses Fazit der Wissenschaftler ersetzt nicht die eigenständige Bewertung des Gutachtens durch die zuständigen Genehmigungsbehörden.“ Die Gutachter betonten, dass sich aus den Ergebnissen „keine Verweigerungsgründe für die Errichtung des Kraftwerks ableiten“. Backhaus, dessenMinisterium die Studie in Auftrag gegeben hatte, stellte das 280 Seiten starke Papier gestern in Schwerin vor. Grund: Dong Energy habe nach Angaben des Umweltministeriums in den Genehmigungsunterlagen mit rund 20 Jahre alten Daten operiert. Neuere seien allerdings auch nicht verfügbar gewesen. Backhaus: „Ich bin davon ausgegangen, dass die Auswirkungen gravierender sein würden.“ Im schlechtesten Fallwird demaktuellen Gutachten zufolge wegen der Kühlwassereinleitungen eine Verringerung des Heringsnachwuchses um vier bis sieben Prozent erwartet. Die Wissenschaftler sind bei ihren Berechnungen davon ausgegangen, dass zwei Gaskraftwerke und das Steinkohlekraftwerk gleichzeitig unter Volllast laufen. „Das kommt in der Praxis aber nicht vor“, sagte der stellvertretende Institutsleiter Christopher Zimmermann. Zudem liegen die Pläne von Gazprom und E.ON, in Lubmin ein 1200-Megawatt- Gaskraftwerk zu errichten, vorerst auf Eis. Laut Gutachten entfalle die Hälfte der Kühlwassereinleitung auf das Steinkohlekraftwerk. Dong-Manager Peter Gedbjerg reagierte erleichtert auf das Ergebnis der Rostocker Forscher: „Ich bin ganz zufrieden.“ Im Bereich der Kühlwasserfahne werde sich das Wasser um 0,5 Grad erwärmen, sagte Zimmermann. Das sei für erwachsene Heringe kaum ein Problem, ebenso wenig für Dorsch und Plattfische. Hornhechte könnten vom Warmwasser sogar profitieren. Dies bestätigte auch Michael Schütt, Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Freest. „Früher zuz- Zeiten des Kernkraftwerkes hatten wir eher mehr Fische in den Netzen.“ OskarGulla, Chef der Bürgerinitiative gegen das Kohlekraftwerk, hofft trotzdem, dass „die Fischer bei einem Rückgang des Heringsnachwuchses von vier bis sieben Prozent hellhörig werden“. Bislang hätten sie sich kaum an der Protestbewegung beteiligt. Seite 2: Kommentar