Kunst gegen Kohle im Dom

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Ostsee-Zeitung l Mittwoch, 11. Juni 2008 | Hansestadt Greifswald l 336 Wörter
Kunst gegen Kohle im Dom

Greifswald Über dreieinhalb Stunden spielten, tanzten und sangen mehr als hundert Künstler am Montagabend im Dom. Sie spielten ohne Gage und für eine politische Botschaft: Gegen das von Dong geplante Kohlekraftwerk in Lubmin. Trotz Europameisterschaft und Sommerwetter kamen etwa vierhundert Zuschauer in den Dom.

In karierten Hemden und mit Cowboyhüten auf dem Kopf lehnen zwei Tänzer vom „Country Club Anklam“ an einer Säule der Domkirche. Hinter ihnen proben vier Street-Dancer ihre Sprünge und Drehungen zu Blasmusik statt zu Hiphop, weil die Posaunenchöre der Greifswalder Kirchengemeinden noch auf der Bühne stehen. Das Programm des Abends war vor allem eines: bunt gemischt. Ronny Goldberg, Sänger im „Gospelkombinat Nordost“ hatte nicht nur Spaß am eigenen Auftritt, sondern „fand es vor allem spannend, die Greifswalder Vielfalt kennen zu lernen.“ Sein persönlicher Favorit des Abends war das Tangoorchester „Freunde des vollen Mondes“, das Tangostücke so emotional präsentierten, dass es für Minuten sehr still im Dom wurde. Das Motto der Veranstaltung „Kunst gegen Kohle“ spielte den ganzen Abend über immer wieder eine Rolle. Dompfarrer Matthias Gürtler übersetzte „Kraftwerk“ mit „Powerhouse“ und kam zu dem Schluss, dass man auch den Dom heute Abend „Powerhouse“ nennen könne. Prof. Dr. Michael Succow, Professor für Landschaftsökologie, sprach sich in einer Rede gegen das Kraftwerk aus. „Das Kraftwerk ist ökonomisch, sozial und ökologisch nicht vertretbar“, sagte er im Anschluss an das Konzert. Succow verwies auf den Klimawandel, der laut Forschungen noch schneller als gedacht ablaufe, und forderte, statt in das Kohlekraftwerk in erneuerbare Energien zu investieren. Die Veranstalter, Vertreter der Bürgerinitiative gegen das Steinkohlekraftwerk, waren mit dem Abends sehr zufrieden. „Es sind etwas weniger Besucher als im März, aber wir konnten uns gut gegen den Fußball durchsetzen“, sagte Martina Bahnsen, Schriftführerin der Bürgerinitiative. Die Initiative hat 32 000 Unterschriften gegen das Kraftwerk gesammelt und damit erreicht, dass sich der Landtag im Juli noch einmal mit dem Bau des Kraftwerks beschäftigen muss.

ANKE LÜBBERT