Streit in L├╝beck: Darf unser Strom aus Kohlekraft kommen?

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ln-online/lokales vom 10.04.2008 00:00 

Streit in L├╝beck: Darf unser Strom aus Kohlekraft kommen?

 


L├╝beck - Die Stadtwerke planen Strom aus Kohlekraftwerken - unter anderem aus Lubmin. Dort ist man entt├Ąuscht von den L├╝beckern. Der Deal ist aber auch in der Hansestadt umstritten.

Die Stadtwerke L├╝beck stehen vor einer Entscheidung, die in zweifacher Hinsicht sch├Ądlich f├╝r das Klima ist. Der Versorger will sich in zwei Steinkohlekraftwerke in L├╝nen und Lubmin einkaufen - f├╝r 50 Millionen Euro und eine Laufzeit von 30 Jahren. Kritiker bem├Ąngeln, dass die Stadtwerke auf eine klimafeindliche Technologie setzen. Nicht minder sch├Ądlich w├Ąre die Entscheidung f├╝r das nachbarschaftliche Klima: Der Lubminer B├╝rgermeister Dr. Klaus K├╝hnemann hat in L├╝beck an die Hansestadt appelliert, von der Beteiligung Abstand zu nehmen (LN berichteten). "Das w├╝rden wir Ihnen ewig ├╝bel nehmen."
In der Hansestadt rennt er offene T├╝ren ein - bei SPD, Gr├╝nen, Linkspartei, Energietisch und Umweltverb├Ąnden. "Wir wollen das nicht", sagt der Energieexperte der SPD, Ulrich Pluschkell, "es ist kontraproduktiv, in Kohlekraftwerke zu investieren." Die SPD setzt auf einen "vern├╝nftigen Mix aus regenerativen Energien". Auch die Gr├╝nen lehnen ab. "Wir k├Ąmpfen seit Jahren f├╝r den Ausbau von Blockheizkraftwerken", erkl├Ąrt Carl Howe (Gr├╝ne). "Wir haben Sorge, dass die Stadtwerke nicht auf das richtige Pferd setzen", sagt Gunhild Duske vom Bund der Energieverbraucher.

SPD und Gr├╝ne beantragten im November in der B├╝rgerschaft, dass die Stadtwerke von der Beteiligung an Kohlekraftwerken absehen sollten. Das wurde von der CDU abgelehnt. "Wir sind f├╝r die Beteiligung", erkl├Ąrt Fraktionsvize Klaus Petersen, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke. "Woher soll die Energie kommen? Wir k├Ânnen auf Strom aus Wind, Sonne, G├╝lle und Nahrungsmittelresten setzen, aber was machen wir, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint?" Erneuerbare Energien allein k├Ânnten den Stromhunger der L├╝becker nicht s├Ąttigen.

Zwischen 80 und 160 Megawatt liegt der Tagesverbrauch in der Hansestadt. Die sogenannte Grundlast, die der Versorger rund um die Uhr vorhalten muss, sei in L├╝beck recht hoch, so Sprecher Lars Hertrampf. Produktionsbetriebe, Uni, Krankenh├Ąuser und Polizei br├Ąuchten unabl├Ąssig den Saft aus der Steckdose. Derzeit kaufen die Stadtwerke 92 Prozent des Stroms an der Leipziger B├Ârse ein, sind also von der Preispolitik der Gro├čkonzerne abh├Ąngig. Um unabh├Ąngiger zu werden, wollen sich die Stadtwerke in die Steinkohlekraftwerke in Nordrhein- Westfalen und Mecklenburg einkaufen - 20 Megawatt in L├╝nen und 30 in Lubmin. Ab 2012 h├Ątten die Stadtwerke dann zu einem erheblichen Anteil eigenen Strom. Wer ausschlie├člich auf erneuerbare Energien setze, m├╝sse den B├╝rger auch sagen, dass das teuer wird, erkl├Ąrt Stadtwerke-Sprecher Hertrampf. Um 50 Megawatt ├╝ber Photovoltaik zu erzeugen, br├Ąuchten die Stadtwerke 225 000 Quadratmeter Fl├Ąche auf 11 000 D├Ąchern. Die Solaranlagen w├╝rden 110 Millionen Euro Investitionskosten verschlingen. 60 Millionen Euro haben die Stadtwerke in den vergangenen Jahren in den Ausbau von Blockheizkraftwerken gesteckt. Problem: Um noch mehr ans Netz zu nehmen, m├╝ssten die B├╝rger zur Abnahme der W├Ąrme verpflichtet werden. Das zu beschlie├čen, hat sich die Politik noch nicht getraut.

Die erste Entscheidung ├╝ber eine Beteiligung am Kraftwerk in L├╝nen f├Ąllt am 29. April. Die Gesellschafter - die Stadt und der d├Ąnische Mitinhaber Dong - m├╝ssen gr├╝nes Licht geben. ├ťber Lubmin wird fr├╝hestens im Sp├Ątsommer entschieden. Dann gibt es in der B├╝rgerschaft neue Mehrheitsverh├Ąltnisse.

Von Kai Dordowsky, LN