Studie: Kraftwerk heizt Ostsee vor Rügen auf

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Ostsee-Zeitung l Freitag, 18. April 2008 | Titelseite l 382 Wörter
Studie: Kraftwerk heizt Ostsee vor Rügen auf

• Landesregierung gab neues Gutachten in Auftrag • Kohlemeiler erhöht Blaualgen-Gefahr an den Küsten • Seebädern droht Aberkennung ihres Status

Schwerin (OZ) Eine bislang unveröffentlichte Studie zum umstrittenen Steinkohlekraftwerk Lubmin sorgt für dicke Luft in der Schweriner Landesregierung: In einer eilig einberufenen Pressekonferenz stellte Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern Nachmittag Details eines Umwelt-Gutachtens des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) vor.

Die erste von der Landesregierung veranlasste Studie zum geplanten Kraftwerksbau, die am 15. Mai vollständig vorliegen soll, kommt zu dem Zwischenergebnis, dass der Kohlemeiler erhebliche Auswirkungen auf die Wassertemperatur der Ostsee haben wird. Laut Backhaus wird die Kühlwasserfahne „deutlich breiter“ und damit „anders“ sein als vom Investor Dong Energy angegeben. Auf die Frage, ob er den Angaben des dänischen Stromkonzerns nicht mehr traue, antwortete Backhaus: „Ich will mich nicht nur auf Antragsunterlagen verlassen.“ Was der Minister nicht sagte: Aus dem Gutachten, das unter Leitung von Professor Hans Burchard im Auftrag des Staatlichen Amtes für Natur und Umwelt (StAUN) Stralsund erstellt wurde und das OZ in Auszügen bekannt ist, geht hervor, dass das erhitzte Kühlwasser entgegen bisheriger Berechnungen auch die Strände der Insel Rügen erreichen wird. Aus informierten Kreisen verlautete, dies erhöhe die Gefahr der Bildung von giftigen Blaualgen. Diese könnten insbesondere die Ostseebäder zwischen Binz und Thiessow auf Rügen bedrohen und deren Seebadstatus gefährden. Baden wäre dann nicht mehr möglich – und damit eine Baugenehmigung ausgeschlossen.

Offiziell erklärte Backhaus gestern, die ökologischen Folgen der größeren Kühlwasserfahne werde das IOW erst Mitte Mai vorlegen. Die bis jetzt vorliegenden Ergebnisse ließen noch „keine Rückschlüsse auf die Genehmigung“ zu. Backhaus kündigte aber an, mindestens noch ein weiteres Gutachten in Auftrag geben zu wollen. „Wenn Dong alle notwendigen Unterlagen nachreicht, kann der Baubeginn im Dezember dieses Jahres noch gehalten werden“, sagte der Minister.

Direkt am Kraftwerk wird das Kühlwasser im Schnitt sieben Grad Celsius wärmer als das umliegende Wasser in die Ostsee einfließen – insgesamt bis zu 352 000 Kubikmeter pro Stunde. Bereits im Juni 2007 warnte eine unabhängige Studie der Technischen Universität Berlin vor den ökologischen Auswirkungen auf die Haupturlaubsgebiete Rügen und Usedom (OZ berichtete). Lubmins Bürgermeister Klaus Kühnemann (parteilos) sagte, die nun vorliegenden Ergebnisse bestätigten die Kraftwerksgegner in ihrer Annahme, auch anderen Angaben von Dong Energy zu misstrauen.

Seite 2: Kommentar
JÖRG KÖPKE

 

 

Jetzt zeigt sich was gespielt wird!

Ohne die Aktionen der
Kraftwerksgegner, wäre eine
Baugenehmigung schon erteilt.
Es zeigt einmal mehr, wie sehr
es auf aufmerksame Bürger ankommt.
Die Landesregierung sieht sich
aber jetzt einer riesigen
aufgebrachten Menschenmasse gegenüber mit der sie es sich
nicht verderben will und auch nicht kann. Die Gefahr eines
Schadens für unser Tourismus-
und Gesundheitsland ist viel
zu groß.
Eine Frage noch, wenn wie die OZ schreibt diese Erkenntnisse schon einige Tage bekannt waren, konnte es einen Zusammenhang damit geben, dass unser Wirtschaftsminister gestern in Kopenhagen wahr?

Torsten Jelinski aus Thiessow