Wie schädlich ist der Meiler für’s Land?

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Ostsee-Zeitung l Dienstag, 25. März 2008 | Leserforum l 731 Wörter
DAS THEMA: Steinkohle-Kraftwerk
Wie schädlich ist der Meiler für’s Land?

Das geplante Steinkohle-Kraftwerk steht weiter in der Diskussion. Leser interessiert, wie das zum Gesundheitsland MV passt.

Lothar Steinhäuser, Greifswald:
Ein ordnungsgemäßes Genehmigungsverfahren hätte – abgesehen von der fragwürdigen Ergebnisvorwegnahme durch die Landesregierung – bei den eingestandenen Umweltauswirkungen nicht zu 27 nachzureichenden Unterlagen-Komplexen führen müssen, die keine rechtlich aufschiebbare Wirkung haben. Sondern zu handfesten Auflagen, z. B. auch bezüglich „bestverfügbarer schadstoffarmer Techniken“. Diese bestehen – wie Lubmins Bürgermeister Dr. Kühnemann beim OZ-Forum im Greifswalder Dom zutreffend bemerkte – im Bau von GuD-Kraftwerken mit integrierter Kohlevergasung (IGCC), wie sie in Tschechien, Spanien, Ungarn bereits betrieben werden – in Holland wurde gerade ein Auftrag erteilt. Diese Lösung wurde von Herrn Gedbjerg aber abgelehnt. Die damit auch mögliche CO2-Abscheidung und -Lagerung wird zwar weltweit erforscht, ist jedoch momentan außerhalb der Einsatzreife.

Rüdiger Thomson, Greifswald:
Dass Wissenschaftler in unpolitischen Lebensfragen wie der Vermeidung einer Klimakatastrophe, der Bedrohung von Gesundheit, von Arbeitsplätzen in Tourismus oder Fischerei und dergleichen nicht öffentlich ihre Meinung äußern sollen, weil sie vom Staat bezahlt werden, ist das Gegenteil dessen, was unsere freiheitliche Rechtsordnung fordert: siehe Artikel 5 Grundgesetz, Freiheit der Meinungsäußerung, Freiheit der Wissenschaft. Laut Umfrage des seriösen Meinungsforschungsinstituts Forsa sind in unserem Land 59 Prozent der CDU-Anhänger gegen das Dong-Kohlekraftwerk und nur 33

Prozent dafür. Insgesamt lauten die Zahlen für unsere Küstenregion: 55 Prozent dagegen, 35 Prozent dafür. Somit vertritt unser EU- Abgeordneter Prof. Alfred Gomolka sowohl die Mehrheit in der CDU als auch die Mehrheit der betroffenen Bevölkerung insgesamt.

Martina Bahnsen, Greifswald:
Auf meine Frage, welches Kraftwerk herkömmlicher Bauart denn abgeschaltet werden würde, hat mir Dong Energy in einer E-Mail vom 12. Februar wie folgt geantwortet: „Ihre berechtigte Frage, welches Kraftwerk im Umkehrschluss geschlossen wird, ist damit zu beantworten, dass Dong Energy keine Kraftwerke in Deutschland betreibt und daher haben wir auch keinen Einfluss auf die Schließung ebendieser.“ Alles klar?

Fritz Rosenow, Zirchow:
Ich empfehle, dass Ministerpräsident Ringstorff insbesondere die gesunde Luft, die nach dem Bau des Steinkohlekraftwerkes da sein wird, hervorhebt. Schließlich wird dies uns ja nur gut tun. Ein tolles Kraftwerk in einem tollen Gesundheitsland. Es ist ihm geglückt, dem Ministerpräsidenten, er wird in die Geschichte eingehen mit seiner Formel für die Quadratur des Kreises. Ach ja, das Kraftwerk ist ja in Pommern. Notfalls wird Mecklenburg eben das Gesundheitsland allein.

Torsten Jelinski, Thiessow:
Werter Herr Ringstorff, Sie werben für MV immer mit dem Slogan „MV tut gut! MV Gesundheitsland Nummer eins!“. Wie passt das zusammen mit Ihrer Befürwortung des Steinkohlekraftwerks in Lubmin? Man stelle sich mal vor: eine Kurklinik für Asthmakranke, eine Kurklinik für transplantierte Kinderpatienten, etliche Mutter-Kind-Kurheime usw. im Umfeld eines Kohlemeilers. Da könnten jede Menge Folgekosten für Gesundheitswesen und Rentenkassen gespart werden. Ein Steinkohlekraftwerk passt nicht in das Gesundheitsland Nummer eins und auch nicht in das Tourismusland Nummer eins.

Edgar Offel, Wusterhusen:
Und welche Kraftwerke, bitte schön, werden abgeschaltet? Ja, wenn E.ON oder Vattenfall für den Fall der Genehmigung mit dem Abschalten von Braunkohlekraftwerken beauflagt werden könnten, kann das Argument gelten. Aber so bleibts nur wirklichkeitsfremd.

Albrecht Krummsdorf, Rostock:
Im Meinungsstreit um das Kraftwerk Lubmin bleiben zunächst die Fakten des Genehmigungsverfahrens und die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung abzuwarten. Diese gültigen Rechtsgrundlagen wären zu diskutieren. Selbst wenn eines Tages in Deutschland 40 Prozent erneuerbare Energien nutzbar wären, blieben 60 Prozent aus fossilen Quellen (samt Erdwärme) abzudecken. Das gewollte Ende der Atomreaktoren verlangt alternativen Ersatz. Wichtig wäre aber wohl, künftige Kohlekraftwerke als Heizkraftwerke durch Wärmemitnutzung (Kraft- Wärme-Koppelung) mit hoher Effektivität und technisch maximaler Abscheideleistung bzw. Rückhaltung der Rauchgase und Flugstäube einschließlich Ascheverwertung zu errichten. Auch im Fall Lubmin sollte entweder für Kohle oder für das zu erwartende Gas nach dem höchsten Stand der Energie- und Umwelttechnik entschieden werden. Es dürfen keine „Dreckschleudern“ mehr gebaut werden!

Jens Berg, Görmin:
Ich verstehe das übergroße Kraftwerk auf den Postkarten der Bürgerinitiative als Symbol für eher nicht sichtbare Folgen des Vorhabens, wie Quecksilber in Fischen. Nicht wenige Leute haben das Gefühl, dass ihre Sorgen nicht ernst genommen werden. Die Folge sind geringe Wahlbeteiligungen und Erfolge extremistischer Parteien.