Carinerland als Selbstversorger?

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Ostsee-Zeitung l Dienstag, 17. Juni 2008 | Neubukow und Kröpelin l 547 Wörter
Carinerland als Selbstversorger?

Die Gemeinde Carinerland sucht Alternativen zum Strommarkt und setzt auf regenerative Energieformen. Erster Schritt zur Unabhängigkeit ist die Aufstockung des Windparks um zwei Mühlen.

Ravensberg Mit Windkraftanlagen hat die Gemeinde Carinerland gute Erfahrungen gemacht. Jährlich wehen die zwölf Anlagen, die 1999 errichtet worden sind, rund 120 000 Euro Pachteinnahmen in die Kasse. Dazu kommen etwa 20 000 Euro Gewinnbeteiligung und die Gewerbesteuer. Da war das positive Signal, das von den Abgeordneten für den Aufstellungsbeschluss „Windpark Ravensberg“ und die daraus resultierende erste Änderung des Bebauungsplans eingeholt werden musste, eigentlich reine Formsache. Zumal die Gemeindevertreter bereits im Mai 2007 grünes Licht für die Erweiterung des Windfeldes um zwei Anlagen gegeben hatten.

„Ziel ist es, keine weiteren Flächen für die Windkraftanlagen zu nutzen, sondern die vorhandenen Standorte auszubauen“, informierte Carlo Schmidt, Geschäftsführer des Windparks Ravensberg. Die neuen Mühlen sollen sich östlich der vorhandenen Räder, am Plattenweg in Richtung Zarfzow, drehen. Man wolle das Gebiet so klein wie möglich halten, nicht zusätzlich landwirtschaftliche Flächen zerschneiden, versicherte Schmidt. Auch der vorgeschriebene Mindestabstand zur nächsten Bebauung, der bei 1000 Metern liege, werde deutlich überschritten.

Ob die Räder – wie ihre Vorgänger zwischen Ravensberg und Krempin – ebenfalls 99 Meter hoch oder größer werden, ist noch nicht sicher. Laut Schmidt haben sich die Anlagen in den vergangenen Jahren erheblich verbessert, sind beispielsweise leiser geworden. Auch die Entwicklung der Lichtsignale, die bei hohen Mühlen vorgeschrieben sind, werde gerade vorangetrieben. Und wenn diese sogenannten Blitzer eventuell bald verschwunden sind oder nur noch leuchten, wenn ein Flugzeug in der Nähe ist, müsse man sich auch nicht mehr zwangsläufig vor höheren Windrädern verschließen. „Ursprünglich haben wir mit Anlagen geplant, die 1,5 bis 2,5 Megawatt in das Netz einspeisen“, informierte Carlo Schmidt. Einem größeren „Spargel“, der 3,6 Megawatt liefert, würde man die Höhe allerdings nicht ansehen. „Wenn Raumordnung und B-Plan das ermöglichen, sollten wir vielleicht darüber diskutieren“, so Schmidt.

Auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung teilte der Windpark-Geschäftsführer mit, dass die Anlagen in Ravensberg zu den effektivsten des Landkreises zählen. Im nächsten Jahr feiern die Räder ihren zehnten Geburtstag. Es gebe noch einen Restkredit, der Windpark stehe finanziell aber auf einem soliden Fundament. „Es sieht so aus, als ob sich die Anlagen bald selbst abgezahlt haben.“ Trotzdem müsse man schon jetzt weiterdenken, langfristig Alternativen zum Strommarkt suchen, sagte Carlo Schmidt. Es gebe inzwischen das Modell, mit Strom, der durch Windmühlen erzeugt wird, destilliertes Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten und aus dem Wasserstoff erneut Strom herzustellen. „Für das Wasserstoff-Projekt gibt es aber noch keine technische Lösung.“ Auf dem Weg zu den eigenen „virtuellen Stadtwerken“ zieht das Carinerland aber auch andere Möglichkeiten in Betracht. So soll nun geprüft werden, ob sich Photovoltaik-Anlagen auf dem Dächern der Gemeindehäuser in Ravensberg und Krempin lohnen würden. Damit könnte Sonnenenergie in Strom umgewandelt werden.

Ein weiterer Ansatzpunkt könnte auch ein Modell sein, welches eine Gemeinde im Harz praktiziert. Durch die kombinierte Nutzung von Wind, Biogas und Wasserkraft hätte sich die Kommune in Sachen Energiegewinnung unabhängig gemacht und würde rund 30 Prozent der bisherigen Stromkosten sparen, erläuterte Carlo Schmidt.

Erster Schritt auf dem Weg zum Selbstversorger sind im Carinerland aber zunächst die zwei neuen Windkraftanlagen. Wann die Mühlen aufgestellt werden, ist allerdings noch nicht klar. „Die Hersteller von Windenergieanlagen haben zurzeit alle gut zu tun und daher lange Lieferzeiten“, so Carlo Schmidt. Die Planungen übernimmt das „Büro Stadt, Land, Fluss“ aus Rabenhorst.

CHRISTINE BORGWALD