China ist größter Klimasünder

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Ostsee-Zeitung l Wochenendausgabe, 27. September 2008 | Politik l 379 Wörter
China ist größter Klimasünder

Paris/Washington (AP) Im Kampf gegen den Klimawandel steht Europa fast alleine da – und auf verlorenem Posten: Der Angst vor der Erderwärmung zum Trotz sind die CO

2-Emissionen in den vergangenen Jahren rasant angestiegen und auf ein neues Rekordniveau geklettert. Seit 2000 ist der Treibhausgas-Ausstoß vier Mal schneller angewachsen als im Jahrzehnt zuvor. Zugleich wurden und werden die natürlichen CO2-Speicher geschwächt. Als größter Klimasünder hat China die USA überholt.

Wissenschaftler des Global Carbon Project (GCP), die gestern in Paris und Washington ihren Bericht vorstellten, schlagen Alarm. Die vor anderthalb Jahren vom Weltklimarat als Horrorszenario vorgestellte Prognose droht noch übertroffen zu werden, sagen sie.

Der IPCC hatte einen Temperaturanstieg bis 2100 um bis zu 6,3 Grad vorhergesagt, sollte der CO2-Ausstoß nicht eingedämmt werden.

„Die Kohlendioxidemissionen aus der Nutzung von fossilen Brennstoffen und Landumnutzung haben 2007 fast die Schwelle von 10 Milliarden Tonnen erreicht“, sagte GCP-Direktor Pep Canadell. 

„Angesichts der Bemühungen zum Klimaschutz ist das höchst überraschend und besorgniserregend.“ Der Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre hat 383 Teile pro Million erreicht: der höchste Wert seit mehreren Millionen Jahren.

Ein schrilleres Alarmsignal vor der Kyoto-Folgekonferenz im kommenden Jahr in Kopenhagen, auf der die USA und die Schwellenländer für verbindliche Reduktionsziele gewonnen werden müssen, kann es nicht geben. Denn fast ausschließlich in europäischen Staaten konnte der Ausstoß 2007 gedrosselt werden. In Dänemark ging er um acht Prozent zurück, in Deutschland und Großbritannien um drei, in Frankreich um zwei. Auch Australien gelang eine Reduktion um zwei Prozent.

Die USA pusteten dagegen zwei Prozent mehr des klimaschädlichen Gases in die Atmosphäre. Erhebliche Zuwachsraten in China, Indien und anderen Schwellenländern ließen den Ausstoß auf den Rekordwert von 8,47 Milliarden Tonnen steigen.

Die Daten stammen vom Ölkonzern BP und den Vereinten Nationen und wurden von acht Wissenschaftlern ausgewertet. Laut ihrer Studie ist China für mehr als die Hälfte des weltweiten Emissionsanstiegs verantwortlich. Im aufstrebenden Reich der Mitte wurden 2007 insgesamt 1,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen, 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Schwellen- und Entwicklungsländer wie China und Indien, die laut dem elf Jahre alten Kyoto-Abkommen ihren Ausstoß nicht senken müssen, sind inzwischen für 53 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Sie überholten die Industriestaaten 2005. 
Unersättlicher Energiehunger: China ist wegen seiner vielen Kohlekraftwerke und seiner florierenden Schwerindustrie an die Spitze der Klimasünder gerückt.