„Das Kraftwerk ist nicht genehmigungsfähig“

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Ostsee-Zeitung l Wochenendausgabe, 08. November 2008 | Mecklenburg-Vorpommern l 275 Wörter
„Das Kraftwerk ist nicht genehmigungsfähig“

Mindestens ein Dutzend Gründe sieht Peter Kremer, warum in Lubmin ein Steinkohlekraftwerk nicht genehmigungsfähig sei. Einer der wichtigsten, so der Anwalt, der die Verbände BUND, Nabu und WWF, Bürgerinitiativen und 2000 private Einwender vertritt, sei die Quecksilber-Belastung des Boddens. Am 28. Oktober habe der EU-Ministerrat eine Richtlinie zum zulässigen Quecksilberwert in Fisch beschlossen. „Fisch aus dem Greifswalder Bodden überschreitet diesen schon jetzt um das Fünffache“, meint Kremer. 18 Monate habe das Land Zeit, die Quecksilber-Einleitungen zu verringern, die u. a. aus Oder und Peenestrom dorthin gelangen. Laut Umweltschützern sind es 4,5 Kilogramm pro Jahr. Durch den Bau des Kraftwerkes kämen drei Kilo pro Jahr dazu. „Der Schutz des Wassers steht im deutschen Recht ganz weit oben“, sagt Kremer. Jede Gesundheitsgefahr durch Wasser müsse ausgeschlossen werden. An einigen Badestellen gibt es wegen hoher Konzentration von Blaualgen und Bakterien schon jetzt zeitweise Warnungen für Menschen mit schwachem Immunsystem. Gegen den Bau des 1600-MW-Kraftwerkes spricht aus Sicht der Umweltschützer auch, dass er den Klimaschutz-Zielen der Bundesregierung zuwiderläuft. Aus der Leitstudie des Bundesumweltministeriums gehe hervor, dass nicht mehr als neun Gigawatt Kraftwerkskapazität auf Kohlebasis neu gebaut werden dürften, um die Klima-Ziele zu erreichen. Laut Kremer sind aber Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 16 Gigawatt schon genehmigt. Kremer: „Danach ist es unzulässig, noch irgendein weiteres Steinkohlekraftwerk zu genehmigen.“ Anwalt Kremer freut sich über das Engagement vor Ort. „Ich habe noch keine Erörterung erlebt, in die sich so viele Leute mit so hohem Sachverstand eingebracht haben. Wenn dieser Einsatz anhält, haben wir gute Chancen, der Behörde zu zeigen, dass das Vorhaben nicht genehmigt werden darf.“ ELKE EHLERS 


Peter Kremer (45), Anwalt der Einwender.