Ex-Minister Ebnet trommelt für Lubmin

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Ostsee-Zeitung l Donnerstag, 19. Februar 2009 | Ostvorpommern
Ex-Minister Ebnet trommelt für Lubmin

Der 64-Jährige wird Vorsitzender eines neuen Rates, der Lobbyarbeit für den Energiestandort leisten will. Ebnet sieht das Amt als Fortführung seiner Arbeit im Kabinett.

Ostvorpommern Seine Liebe für den östlichen Landes-Teil hat Otto Ebnet in seiner Amtszeit nie verheimlicht. Und so ist der Wirtschafts- und Bauminister a. D. auch froh, dass er in seiner künftigen Tätigkeit „eine Menge für die Entwicklung Vorpommerns tun kann“. Die Region von der Ostsee bis zum Haff voranzubringen und so die begonnene Arbeit als Mitglied der Regierung fortzuführen, das ist das Ziel des gebürtigen Regensburgers als Vorsitzender des neuen „Rats für Technik, Energie und nachhaltige Entwicklung Vorpommerns“, der beim Unternehmerverband angesiedelt wird. Zum „Anführer“ des Gremiums soll Ebnet am 6. März in Lubmin gekürt werden. Und der SPD-Mann stellt klar, dass er nicht nur seinen Namen geben und repräsentieren wird. „Ich werde richtig arbeiten, meine Kontakte und mein Wissen nutzen und die richtigen Leute zusammen bringen, damit es vorwärts geht“, sagt der Diplom-Volkswirt, der seit kurzem Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Die Linke) in wirtschaftlichen Fragen berät.

Was seine erste Amtshandlung, sein erstes konkretes Projekt sein wird, will „Schnippel-Otto“, wie er wegen des häufigen Bänderdurchtrennens bei der Freigabe von Bauprojekten auch genannt wurde, noch nicht sagen – aus Respekt vor dem Rat, der seinen Arbeitsplan erst offiziell beschließen soll. Ebnet verschweigt aber nicht, dass seine größte Aufmerksamkeit dem Energiestandort Lubmin gelten wird, wo wie er betont, „ein gigantisches Investitionspotenzial von gut zehn Milliarden Euro wartet“.

Zwar will sich der Wirtschaftsexperte auch um andere Gebiete wie den Sassnitzer Fährhafen und den Standort Greifswald intensiv kümmern, aber in Lubmin, da bestünden ganz einfach riesige Chancen, die genutzt werden müssten. Ebnet nennt hier Offshore-Windparks, deren Stromzuführung über den Standort laufen könne, die Gaspipeline aus Russland, den Bau zweier Gaskraftwerke, die Ansiedlung zuarbeitender Betriebe, aber vor allem die Verwirklichung des Steinkohlekraftwerks, das der dänische Energiekonzern Dong bauen will.

„Ich bin klarer Befürworter des Projekts“, sagt der knorrige Bayer und geht auf Konfrontationskurs zu seinem Parteifreund, Ministerpräsident Erwin Sellering, der nur einen Meiler in halber Größe mit 800 Megawatt Leistung akzeptiert. „Wir kommen ohne Kohle als Energieträger nicht aus. Dong nutzt modernste Techniken und wenn man es global sieht, wird so unabhängig von neuen Arbeitsplätzen auch ein Beitrag zur CO2-Reduzierung geschaffen, da woanders alte Kraftwerke abgeschaltet werden müssen“, meint Ebnet. Als eine seiner Aufgaben sieht er es, Verständnis für die industriellen Projekte zu schaffen, Zusammenhänge zu erklären. So sei er sicher, dass im Rat auch Konzepte erarbeitet werden können, mit denen der Tourismus von Ansiedlungen profitiere und nicht natürlicher Gegner sein müsse.

Gerold Jürgens, Präsident des Unternehmerverbandes Vorpommern, ist froh, mit Ebnet ein politisches Schwergewicht gewonnen zu haben. Es sei wichtig, dass die Befürworter von Industrie über den Rat mit einer noch stärkeren Stimme sprächen. Man könne so auch auf „bewusste Störfeuer“ reagieren, wie das des Lubminer Bürgermeisters Klaus Kühnemann, der jüngst kritisierte, dass außer den Plänen mit Dong wenig am Standort passiere. Jürgens: „Dabei haben sich viele Unternehmen angesiedelt und für ein Zentrum für alternative Energien, das Herr Kühnemann propagiert, gibt es überhaupt keinen Investor.“ Es wird spannend wie sich das Klima zwischen Gegnern und Befürwortern des Kohlekraftwerkes unter Ebnets Einfluss entwickelt und ob er dazu beiträgt, sie mit Plänen für die Standortentwicklung einander näher zu bringen. Ein festes Gehalt verdiene der Ex-Minister übrigens nicht in seiner neuen Tätigkeit, sagt Jürgens. Er bekomme die üblichen Aufwandsentschädigungen gezahlt. 

ALEXANDER LOEW