Klimakiller Kohlendioxid soll unter die Erde

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Ostsee-Zeitung l Donnerstag, 02. April 2009 | Politik
Klimakiller Kohlendioxid soll unter die Erde

Berlin (OZ) Das beim Verfeuern von Kohle in Kraftwerken entstehende Kohlendioxid soll unter die Erde verbannt werden. Das Bundeskabinett hat dafür gestern den gesetzlichen Rahmen abgesteckt.

Für Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verbirgt sich hinter den drei Buchstaben CCS „ein ganz wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiesicherheit“. Sein Kollege im Umweltressort, Sigmar Gabriel (SPD), verbindet mit dem Kürzel die Zukunft der Kohlekraftwerke, auch wenn er noch „keinen Blankoscheck“ ausstellen will. CCS (Carbon Capture and Storage) steht für das Abscheiden des schädlichen Klimagases Kohlendioxid aus Kraftwerksschloten und dauerhaftes Versenken unter die Erde. Geeignet dafür sind ausgebeutete Erdgaslager oder Salzwasser führende Gesteinsschichten, wie sie vor allem unter der norddeutschen Tiefebene liegen. Geologisch kommt damit auch Mecklenburg-Vorpommern in Betracht. Bislang gibt es nur kleine Pilotanlagen. Nun wollen RWE in Hürth (NRW), Vattenfall in Jänschwalde (Brandenburg) und E.on in Wilhelmshaven (Niedersachsen) große Demonstrationskraftwerke bauen, drei von europaweit zwölf. RWE will das Kohlendioxid per Pipeline nach Schleswig-Holstein pumpen, Eon plant ebenfalls ein Einlagern in Norddeutschland, Vattenfall will das Gas im Umfeld von Jänschwalde in den Untergrund verpressen.

Der von Gabriel und Guttenberg vorgelegte CCS-Gesetzentwurf verlangt absolute Dichtheit der Speicher auf unbegrenzte Zeit. Die Betreiber müssen das Risiko 30 Jahre über die Stilllegung hinaus tragen, zehn Jahre länger als die EU vorsieht. Erst dann geht die Verantwortung auf den Staat über. Um Langzeitrisiken abzudecken, wird ein Nachsorgebetrag der Betreiber fällig, abhängig von der Lage des Speichers. Er fließt an die Standort-Länder. 

ARNOLD PETERSEN