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Ostsee-Zeitung l Montag, 2. Nov. 2009
Kohlekraftwerk in Lubmin vor dem Aus?

Der dänische Investor Dong Energy stellt den Bau des Kraftwerks Lubmin in Frage.
Grund: Das Land verschärft die Genehmigungsauflagen. Von BENJAMIN FISCHER und JÖRG KÖPKE Greifswald (OZ) Im monatelangen Tauziehen um das umstrittene Steinkohlekraftwerk Lubmin droht Investor Dong Energy mit dem Scheitern des 2,3-Milliarden- Euro-Projektes. Wie Dong-Manager Peter Gedbjerg gestern in Greifswald erklärte, sei nicht auszuschließen, dass der dänische Staatskonzern selbst im Fall einer Genehmigung seine Pläne aufgibt. Dong erhöht damit den Druck auf die deutschen Behörden. Wörtlich sagte Gedbjerg: „Wir bauen nicht um jeden Preis. Die Auflagen der Genehmigungsbehörden können die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks zerstören.“ Sein Unternehmen werde genau prüfen, ob sich die Anlage an dem Standort rechne und erst dann eine Entscheidung treffen, erklärte der Projektleiter. Bereits am Freitag hatte Dong den Ausstieg aus Sponsoren-Verträgen für zwei Sportvereine angekündigt. Betroffen sind der Fußball- Oberligist Greifswalder SV 04 sowie der Handballverein HSV Insel Usedom. Grund für den Ausstieg sind nach Angaben von Dong-Sprecher Michael Deutschbein leere Kassen. „Der Etat für die Ausgestaltung des Genehmigungsverfahrens ist ausgeschöpft. Das dauert inzwischen alles sehr lange.“ Zuständig für die Genehmigung des Kraftwerks ist das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) in Stralsund. Das Umweltministerium in Schwerin, dem das StAUN untersteht, übte gestern erneut Kritik amdänischen Investor. Eine Sprecherin von Minister Till Backhaus (SPD) sagte der OZ, die Qualität der von Dong eingereichten Unterlagen entspreche nicht immer den nötigen Anforderungen. StAUN-Leiter Reinhard Stahlberg kündigte bereits weitere Auflagen an. „Ob diese die Wirtschaftlichkeit gefährden, muss allein der Antragsteller entscheiden“, so Stahlberg. Unterdessen gerät Dong infolge weltweit sinkenden Strombedarfs zunehmend unter Druck. Der Konzern kündigte an, in Dänemark ab April 2010 zwei Kohlemeiler vom Netz zu nehmen. Auch in Deutschland sei die Nachfrage aufgrund der Wirtschaftskrise um zehn Prozent gesunken, sagte Gedbjerg. Ursprünglich sollte das Kraftwerk in Lubmin bereits 2012 angefahren werden. Dieser Termin sei aber nicht mehr zu halten. Gedbjerg: „Wir gehen jetzt relativ entspannt durchs Verfahren.“ Die Grünen sehen Dong in der Defensive. „Der Konzern will politischen Druck aufbauen, weil er die Chancen auf eine Genehmigung schwinden sieht“, erklärte Grünen-Landeschef Jürgen Suhr. Ein Scheitern wäre laut Suhr für Dong ein Desaster: „Es ist schon zu viel Geld geflossen. Der Staatskonzern müsste sich in Dänemark unangenehme Fragen stellen lassen.“

siehe auch PM Ostsee-Zeitung l Montag, 2. Nov. 2009
Gulla: „Ich sage Ja zu Dong“
Aber nur, wenn der Konzern bei uns ausschließlich in Windenergie investiert, schränkte der Chef der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk ein.