Links dafür, rechts dagegen

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Ostsee-Zeitung l Freitag, 14. November 2008 | Aus der Nachbarschaft l 351 Wörter
Links dafür, rechts dagegen

Greifswald In der Halle des Sportzentrums Schawi (Gewerbegebiet Ziegelhof) sitzen sich zwei Parteien gegenüber: Die eine will ein zwei Milliarden teures Kraftwerk bauen; die andere will genau das verhindern: auf der linken Seite die von dem dänischen Stromkonzern Dong bezahlten Anwälte und Gutachter, auf der rechten Seite die Anwälte und Vertreter der Umweltschutzverbände und der Bürgerinitiativen. Wie bei einem Gerichtsprozess gibt es auch eine Richterbank: Die Mitte gehört den Vertretern des StAUN, des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur. Reinhard Stahlberg ist Amtsleiter des StAUN und der Mann, der in dieser Entscheidung das letzte Wort haben wird. „Ich versuche möglichst jeden Tag dabei zu sein, damit ich eine gute Entscheidungsgrundlage habe“, sagt er. Dong wünsche sich eine möglichst schnelle Entscheidungsfindung, sagt er, deshalb könne man noch im ersten Quartal 2009 mit einer Entscheidung über die Genehmigung rechnen.

Es gibt noch eine vierte Gruppe in dem großen Saal: das Publikum. Es sind vor allem Gegner des Kraftwerkes: Studenten, die für das Verfahren ihre Vorlesungen sausen lassen, Rentner, die morgens um zehn pünktlich zum Erörterungsbeginn auf ihren Plätzen sitzen und Berufstätige, die nach Feierabend noch für ein, zwei Stunden die Diskussion verfolgen. Je nach Tag und Verhandlungsschwerpunkt kommen 15 bis 70 Zuschauer.

50 Meter vom Schawi entfernt steht ein großes, leeres Zelt, das Dong extra für dieses Verfahren angemietet hat. Am ersten Verhandlungstag drängten sich hier 500 Zuschauer. Für Bernd Hühr, Inhaber und Geschäftsführer des Schawi, ist die ganze Verhandlung ein einziger Glücksfall. Er hat sich gründlich auf das Verfahren vorbereitet: Für Gegner wie Antragsteller wurde ein eigener, schalldichter Versammlungsraum eingerichtet, in den sie sich zurückziehen können. Tontechnik und spezielle Internetverbindungen wurden installiert. Jede Gruppe hat einen eigenen Internetzugang über w-lan. Manchmal sitzt Hühr selbst im Publikum. Ihn interessiert das alles, schließlich betreibt seine Firma neben dem Schawi in Greifswald auch noch ein Hotel in Lubmin. Diese Woche geht es im Erörterungsverfahren um Artenschutz, kommende Woche um Emissionschutz. Die Verhandlungen beginnen um 10 Uhr.