Lubmin: Sellering erklärt Dong-Disput für beendet

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OZ   I   Freitag, 16. Januar 2009 | Mecklenburg-Vorpommern
Lubmin: Sellering erklärt Dong-Disput für beendet

Der Ministerpräsident besuchte gestern den Energiestandort Lubmin, wo der dänische Investor Dong ein umstrittenes Steinkohlkraftwerk bauen will. Nach Sellerings Auffassung haben jetzt nur noch die Genehmigungsbehörden das Wort.

Lubmin (OZ/dpa) Im Streit um den Bau eines Steinkohlekraftwerks in Lubmin hat Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ein Machtwort gesprochen. „Wir sind mit der politische

n Diskussion am Ende“, sagte Sellering gestern bei einem Besuch des Industrie- und Energiestandortes bei Greifswald. Nun müsse man den Ausgang des Genehmigungsverfahrens abwarten, das mit „Fairness und Öffentlichkeit durchgeführt“ werde.

Mit einem Ergebnis des Verfahrens ist nach Aussage des Geschäftsführers der Energiewerke Nord (EWN), Dieter Rittscher, erst in „einigen Monaten“ zu rechnen. Das Unternehmen rechnet nach wie vor mit einem Bescheid zugunsten des Großprojekts des dänischen Investors Dong Energy. „Wir sind guten Mutes, dass das laufende Genehmigungsverfahren zu einem guten Ende kommen wird“, ergänzte EWN-Geschäftsführer Jürgen Ramthun.

Sellering, der dem Projekt in der geplanten Größe von 1600 Megawatt skeptisch gegenübersteht, traf sich gestern auch mit Gegnern des Kraftwerks. Die Bürgerinitiativen bezeichneten das Gespräch als konstruktiv. Sie kritisierten jedoch, dass das Land für die erforderliche EU-Stellungnahme ältere Dong-Unterlagen ohne die kritischen Gutachten aus dem Anhörungsverfahren eingereicht habe.

Unterdessen bescheinigte Sellering dem früheren Atomstandort Lubmin eine „tolle Entwicklung“, die künftig nicht vom Bau des Steinkohlekraftwerks abhängig sei. „Wenn es (mit dem Steinkohlekraftwerk) schiefgehen sollte, wird es den Standort nicht weitgehend beeinträchtigen“, sagte er.

Lubmin habe laut Ramthun beste Chancen, einer der größten Energiestandorte in Deutschland zu werden. Derzeit beschäftigten EWN und die anderen Firmen auf dem Industriegelände rund 1850 Mitarbeiter. Während der Bauphasen in den kommenden Jahren würden bis zu 3000 neue Arbeitsplätze in Lubmin entstehen. „Langfristig rechnen wir am Standort mit bis zu 2500 Dauerarbeitsplätzen“, so Ramthun. Als Standortvorteil sieht EWN dabei einen Energiemix aus Gas, Kohle und regenerativen Energien. In den kommenden Jahren sind nach Investorenangaben im Energiesektor Investitionen von 3,5 Milliarden Euro geplant. 

Zustimmend äußerte sich Sellering zu den von E.ON/Gazprom und EnBW geplanten Gaskraftwerken. Während das 1200-Megawatt-Gaskraftwerk von E.ON/Gazprom genehmigt ist, muss das Verfahren für das zweite von EnBW geplante und zum Teil genehmigte Kraftwerk nochmals aufgerollt werden, wie Rittscher sagte. EnBW plant, die Kraftwerksleistung von 1200 auf 1350 Megawatt zu erhöhen. Der Bau der Gaskraftwerke ist maßgeblich von Gaslieferungen aus Russland und der Genehmigung der rund 1200 Kilometer langen Ostseepipeline abhängig. Das Bau- und Betreiberkonsortium Nord Stream will von 2011 an jährlich 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Wyborg bei St. Petersburg nach Lubmin pumpen. 

AXEL MEYER und MARTINA RATHKE 


Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD/2.v.r.) besuchte gestern den Industriestandort Lubmin. 

Foto: Brümmer