Lubmin: Studie bleibt schwammig

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Ostsee-Zeitung l Mittwoch, 11. Juni 2008 | Mecklenburg-Vorpommern l 346 Wörter
Lubmin: Studie bleibt schwammig

Das geplante Kraftwerk heizt den Greifswalder Bodden teilweise um sieben Grad auf. MV will weiteres Gutachten in Auftrag geben.

Schwerin (epd/OZ) Die wichtigste Antwort blieb Umweltminister Till Backhaus (SPD) schuldig: Ob die ökologischen Auswirkungen des geplanten Steinkohlekraftwerks Lubmin so groß seien, dass eine Genehmigung unmöglich werde. „Eine abschließende Einschätzung kann ich heute nicht geben. Noch liegen mir nicht alle Unterlagen des dänischen Investors Dong Energy vor“, sagte Backhaus gestern in Schwerin.
Zuvor hatte der Minister eine Studie des Rostocker Instituts für Ostseeforschung (IOW) vorgestellt. Kernaussage: Durch das Kühlwasser droht dem Greifswalder Bodden eine teilweise Erwärmung um bis zu 7,55 Grad Celsius. In einem Radius von bis zu 1,5 Kilometern in direkter Nähe des Auslaufkanals müsse mit einer „Artenverschiebung“ bei Pflanzen und Tieren gerechnet werden. Einige Organismen würden absterben. Vor allem kleine Fische würden durch die feinmaschigen Filter des Kraftwerks gefährdet. Selbst in einem Radius von fünf Kilometern wird sich laut Backhaus die Temperatur noch um ein bis drei Grad Celsius erhöhen. Dadurch könne es in tieferen Bereichen zu Sauerstoffdefiziten kommen, erklärte Gerald Schernewski vom IWO. In der dritten, 480 Quadratkilometer großen Zone wird Backhaus zufolge ein Temperaturunterschied von weniger als einem Grad Celsius erwartet, der keine ökologische Relevanz habe. Eine verstärkte Plankton- und Blaualgenblüte sei nicht zu erwarten. Laichschongebiete des Herings werdennach Ansicht der Rostocker Experten nicht beeinflusst.

Backhaus kündigte an, gemeinsam mit Sozialminister Erwin Sellering (SPD) ein gesondertes Gutachten zur Badewasserqualität in Auftrag zu geben. Die Studie soll bis spätestens Ende Juli vorliegen. Das Sozialministerium ist für die Vergabe des Titels „Seebad“ zuständig. Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) hatte stets betont, dem Kraftwerk die Zustimmung zu verweigern, sollte sich herausstellen, dass Seebäder ihren Status verlieren könnten.

Torsten Jelinski, Sprecher der Rügener Bürgerinitiative gegen das geplante Kohlekraftwerk, bezeichnete die vorgelegten Ergebnisse als „Grimms Märchen Teil zwei“. Jelinski: „Laut IOW-Studie sollen nur 30 Quadratkilometer des Boddens betroffen sein. Das glaubt doch kein Mensch. Wenn vorne kleine Fische angesaugt werden, dann sind die großen Fische hinten bald auch nicht mehr da.“

JÖRG KÖPKE