Meeresforscher: Große Methaneis-Vorkommen

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Ostsee-Zeitung | Wochenendausgabe, 31. Mai 2008 | Zeitgeschehen l 392 Wörter
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Rostock (OZ) Professor Klaus Wallmann vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel sieht in Methaneis eine große Energiequelle der Zukunft.

OZ: Ab wann ist überhaupt an eine Förderung zu denken?

Wallmann: Schon heute gibt es große nationale Forschungsprojekte, die sich u.a. mit dieser Frage beschäftigen – etwa in den USA, Japan, Südkorea, Indien oder China. Mit der Erschließung und industriellen Produktion von Methaneis ist frühestens in zehn Jahren zu rechnen.

OZ: Wo liegen die bislang größten Fundstätten?

Wallmann: Im Grunde kommt Methaneis in allen Wassertiefen unterhalb von 400 Metern vor, vor allem an den Kontinentalrändern. Das ist ein wesentlicher geopolitischer Vorteil gegenüber Erdöl, welches sich vor allem im Nahen Osten und Russland konzentriert. Bislang wurden große Methaneis-Funde vor China, Japan, Indien, aber auch vor Chile, den USA, Norwegen und Großbritannien registriert. Allerdings nicht vor Deutschland. Nord- und Ostsee sind einfach zu flach.

OZ: Wie groß ist das weltweite Methaneis-Potenzial?

Wallmann: Es ist wirklich beachtlich. Vermutlich ist mindestens zehnmal mehr Erdgas in Methaneis gebunden, als in den heute bekannten konventionellen Gaslagerstätten.

OZ: Wie kann Methaneis gefördert werden?

Wallmann: Da gibt es mehrere Möglichkeiten: Zum einen über Druck. Dabei wird das Methanhydrat zersetzt und Erdgas frei. Zum anderen über Hitzezufuhr. Hierbei schmilzt das Methaneis, wodurch sich ebenfalls Erdgas bildet, was dann gefördert werden kann. Doch Methaneis ist auch als Speicher von Kohlendioxid hochinteressant, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht. Vor allem diesen Ansatz untersuchen wir mit unserem Projekt „Sugar“. Unsere Idee: Das in Kraftwerken entstehende und anschließend zu verflüssigende CO2 könnte per Tanker zu den Methaneis-Lagerstätten geschafft werden. Indem das Kohlendioxid in den Meeresboden injiziert wird, kann es den neuen Energieträger ersetzen.

OZ: Kritiker mahnen, dass dabei klimaschädliches Methan in die Atmosphäre gelangen könnte.

Wallmann: Das ist ein ernstzunehmendes Problem. Allerdings muss man wissen, dass auch Erdgas, das wir alle als relativ umweltfreundlichen Rohstoff ansehen, zu 99 Prozent aus Methan besteht. Von daher wird ähnlich wie bei der Erdgas- auch bei der Methanförderung darauf zu achten sein, dass so wenig wie möglich Gas entweicht. Technologisch ist das machbar.

Interview: JENS BURMEISTER