Merkel: Gestern am Pranger, heute die Klima-Retterin?

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Ostsee-Zeitung l Donnerstag, 11. Dezember 2008 | Politik l 159 Wörter
Merkel: Gestern am Pranger, heute die Klima-Retterin?

Berlin (dpa) Mit einer Aktion vor dem Kanzleramt forderte gestern ein Bündnis von Umweltverbänden Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich beim europäischen Klimaschutz nicht von der Industrie „einwickeln“ zu lassen und beim heute beginnenden EU-Gipfel einen wirkungsvollen Klimaschutz durchzusetzen. Eine überdimensionale Merkel-Figur im „Superwoman“-Kostüm hielt dabei eine Erdkugel empor und entwand sich der Seile, mit denen Konzernlobbyisten an ihr zerrten. Die Aktion wurde vom Online-Netzwerk Campact, dem WWF, dem Forum Umwelt und Entwicklung sowie der Klima-Allianz – einem Bündnis von über 100 zivilgesellschaftlichen Verbänden organisiert.

Im Kampf gegen den Klimawandel steht die EU vor einem Offenbarungseid. Zwar hat sich die EU im März 2007 verpflichtet, ihren Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Der Weg zu diesem Ziel ist aber heftig umstritten. Auch Bundeskanzlerin Merkel, unter deren EU-Ratspräsidentschaft die Klimaschutzziele beschlossen wurden, stellte zuletzt die Interessen der Industrie in den Vordergrund: Der EU-Gipfel werde „keine Klimaschutz-Beschlüsse fassen, die in Deutschland Arbeitsplätze oder Investitionen gefährden“. 


Protest vor dem Kanzleramt: Mitglieder von Umweltverbänden demonstrieren in Berlin gegen die Klimapolitik der Bundeskanzlerin. 
Fotos: ddp,dpa