Pläne sind genehmigungsfähig

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Ostsee-Zeitung l  Donnerstag, 20. November 2008 | Hansestadt Greifswald
Pläne sind genehmigungsfähig

Peter Gedbjerg arbeitet für den dänischen Energiekonzern Dong und ist für das Projekt „Lubminer
Heide“verantwortlich.

OZ: Herr Gedbjerg, Sie wollen ein Steinkohlekraftwerk bauen. Was spricht für den Standort Lubmin?
Gedbjerg: Wirtschaftliche und technische Gründe. Es gibt dort ein gut ausgebautes Stromnetz, an
das wir das Kraftwerk anschließen können. Der Hafen ist ausgebaut und ermöglicht, dass wir die
Kohle auf dem Wasserweg nach Lubmin bringen. Da wir Erfahrung mit Kohletransporten auf der
Ostsee – nämlich zu unseren dänischen Kraftwerken – haben, ist der Transportweg für uns vertraut.
OZ: Von Umweltschützern ernten Sie heftige Kritik, vor allem weil das Kraftwerk einen relativ
niedrigen Wirkungsgrad haben wird.
Gedbjerg: Ich verstehe diese Kritik nicht, denn unser Kraftwerk wird nach modernster Technik
gebaut und hat einen Wirkungsgrad von 47%, das ist Standard. Wissen Sie, Biokarotten zu
verkaufen ist leicht. Aber bei Strom gibt es immer Ärger, egal was man baut, ob es Windanlagen
oder Kraftwerke sind.
OZ: In Ostvorpommern, Greifswald, auf Rügen, in ganz M-V gibt es Protest gegen das Kraftwerk.
Gibt Ihnen das zu denken?
Gedbjerg: Wissen sie, von allen Seiten werde ich gefragt, ob ich mir wegen des wachsenden
Protestes Sorgen mache. Doch ich erlebe den Protest nicht als ansteigend. Außerdem gibt es genau
so viele Leute in der Region, die für das Kraftwerk sind. Am ersten Verhandlungstag waren 400
Demonstranten in dem Protestzug. Für die 140 Stellen, die wir einrichten, haben wir 380 Bewerber
zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Das ist etwa die gleiche Anzahl von Personen.
OZ: Wie erleben sie das Verfahren?
Gedbjerg: Ich finde es gut, dass es ein demokratisches Verfahren gibt, mit Einwendungen, und wir
mit den Bedenken der Leute konfrontiert sind. Das gibt es nicht in Dänemark, ich finde es ganz gut,
dass es hier so gehandhabt wird. Aber ab und zu langweile ich mich auch während der Sitzungen.
Und ein bisschen Schauspielerei ist auch dabei.
OZ: Schauspielerei?
Gedbjerg: Na ja, es steht ja fest, wer welche Haltung vertritt.
OZ: Seitdem der Lubminer Bürgermeister Dong angezeigt hat, gibt es immer wieder
Bestechungsgerüchte.
Gedbjerg: Diese Vorwürfe sind falsch. Wir werden auf 30-40 Jahre hier auf gute Nachbarschaft
angewiesen sein und deshalb engagieren wir uns zum Beispiel beim GSV, der ja mal der
Sportverein des Kernkraftwerkes gewesen ist. Dann haben wir einem Gymnasium in Wolgast ein
paar Taschenrechner gesponsert und unterstützen einen Handballverein auf Usedom. Wir versuchen
Dong in der Region als Marke zu etablieren.
OZ: Das heißt, sie sind zuversichtlich, dass sie eine Genehmigung bekommen?
Gedbjerg: Ich bin überzeugt, dass das Kraftwerk genehmigungsfähig ist