Projekt wäre ein Super-Gau

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Ostsee-Zeitung l  Donnerstag, 20. November 2008 | Hansestadt Greifswald
Projekt wäre ein Super-Gau

Arndt M√ľller, Naturschutzreferent beim BUND MV, besch√§ftigt sich seit Ende 2006 mit dem
geplanten Steinkohlekraftwerk und vertritt den Verband in den öffentlichen Anhörungen.

OZ: Herr M√ľller, was spricht aus Ihrer Sicht gegen das Kraftwerk?
M√ľller: Alles, es w√§re ein Super-Gau, √∂kologisch und √∂konomisch nicht zu verantworten.
OZ: Inwiefern?
M√ľller: Unter allen derzeit in Deutschland geplanten rund 30 Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen
greift das Projekt am massivsten in die Natur ein. Gerade in Vorpommern leben aber viele vom
Tourismus. Erw√§rmtes K√ľhlwasser, Quecksilber- und Stickstoffeinleitungen w√ľrden die
Wasserqualität im Bodden und damit die Gesundheit von Menschen gefährden. Die Behörden
haben die Pflicht, sie davor zu sch√ľtzen.
OZ: Das Sozialministerium hat kurz vor Beginn des Erörterungsverfahrens darauf hingewiesen,
dass die Temperaturerh√∂hung zu einer Vermehrung des Bakteriums Vibrio vulnificus f√ľhren k√∂nnte,
das bei Badenden schwere Erkrankungen zur Folge haben kann.
M√ľller: Diese Warnung basiert auf einem gr√ľndlichen Untersuchungsprogramm der
Gesundheitsbehörden. Im Übrigen ist sie nicht so plötzlich aufgetaucht, wie es die
Kraftwerksbef√ľrworter behaupten. Schon Mitte 2007 hat das Ministerium auf gesundheitliche
Gefahren durch das Steinkohlekraftwerk hingewiesen.
OZ: Häufig wird argumentiert, dass das Kernkraftwerk dem Bodden ja auch nicht geschadet habe.
M√ľller: Das Argument lasse ich nicht gelten. Es gab schon zu DDR-Zeiten wissenschaftliche
Arbeiten, die negative Auswirkungen des KKW auf den Bodden belegten. Und man kann davon
ausgehen, dass die DDR grundsätzlich kein Interesse daran hatte, die Erforschung ökologischer
Probleme ihrer Energiewirtschaft zu intensivieren.
OZ: Was sagen sie zu dem Widerstand gegen das Kraftwerk?
M√ľller: Ich denke, da kommen mehrere Dinge zusammen. Tourismus ist einer der wenigen
Wirtschaftszweige, der hier funktioniert und die Leute sind zu Recht stolz darauf. Wir bekommen
wöchentlich Anrufe von Urlaubern aus dem Ruhrgebiet oder Berlin, die ihren Sommerurlaub auf
R√ľgen oder Usedom verbringen und uns ermutigen, weiterzuk√§mpfen. Au√üerdem erlebe ich, dass
sich die Menschen hier Gedanken √ľber den Klimawandel machen. Ein 1600 Megawatt
Kohlekraftwerk, f√ľr das Kohle aus √úbersee angelandet wird, ist Wahnsinn.
OZ: Wo sehen Sie die Alternativen?
M√ľller: Ganz klar im Bereich der erneuerbaren Energien. M-V k√∂nnte bis 2020 seine komplette
Stromversorgung und 25 Prozent der Wärme- und Treibstoffbedarfe aus umweltfreundlicher
Energieerzeugung sicherstellen. Auch erneuerbaren Energien sind ein Wirtschaftsfaktor, wie die
Solon Nord GmbH hier in Greifswald zeigt.
Interviews: A. L√úBBERT