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Ostsee-Zeitung l Montag, 02. Juni 2008 | Mecklenburg-Vorpommern l 378 Wörter
Rehberg wettert gegen riesigen Solar-Park

Ein 40 Hektar großer Photovoltaik-Park soll in der Nähe von Marlow Strom für 300 Haushalte liefern. Der Plan ist jedoch umstritten.

Marlow (OZ) Aufregung in der Kleinstadt Marlow (Nordvorpommern): Auf einer Ackerfläche im Ortsteil Völkshagen ist ein 40 Hektar großer Solarpark geplant, umgeben von einem drei Meter hohen Zaun. Der Stadt liegt eine Bauvoranfrage vor. Ein Bescheid sei bisher nicht ergangen, ist dort zu erfahren. Doch die Wellen schlagen hoch.

„Was wir vorhaben, ist ein Photovoltaik-Park, der Strom für 300 Haushalte erzeugen soll“, erklärt der Bremer Projektentwickler Horst Addix. Das Investvolumen beziffert er auf ca. 35 Millionen Euro. Dafür will er einen Investmentfonds auflegen. „Finanzstarke Interessenten gibt es bereits.“ Namen nennt er nicht. Nach Vorstellung von Addix soll im Herbst gebaut werden.

Das Problem: Einen Solarpark dieser Größenordnung gibt es bisher nicht im Land. „Nur kleinere, wie zum Beispiel im Klärwerk Barth und im Natur- und Umweltpark Güstrow“, informiert Karin Zabel vom Schweriner Wirtschaftsministerium.

Das Interesse aber nimmt zu. Auch in Tribsees gibt es eine kleine Anlage. In Planung ist der „Energiepark Richtenberg“. Auf neun Hektar soll dort im Gewerbegebiet Strom für 1000 Haushalte produziert werden, ein Stuttgarter Investor stellt dafür 15 Millionen Euro bereit. Zabel: „Zuständig für die Genehmigung sind die Baubehörden.“ Prominenter Nachbar der neuen Mega-Anlage in Marlow wäre CDU-Bundestagsabgeordneter Eckhardt Rehberg. Er wohnt gleich nebenan in Bartelshagen und beklagt die Verschwendung von gutem Ackerboden. „40 Hektar würden versiegelt. Ein erheblicher Eingriff in die Natur.“ Addix widerspricht: „Das ist kein besonders guter Boden da.“ Auf dem Grundstück ständen schon jetzt zwei Starkstrommasten. Vor sieben Jahren wollte Addix dort eine Windkraftanlage bauen, das Projekt scheiterte. „Aber bei Photovoltaik gibt es ja keine lästigen Nebeneffekte wie bei der Windkraft“, wirbt Addix. „Keine Geräusche.“ Die Stadt Marlow jedenfalls ist vorerst an dem Projekt interessiert, wie Bürgermeister Norbert Schöler (parteilos) bestätigt. „Das ist eine spannende Sache.“ Allerdings müsse erst der Flächennutzungsplan geändert werden, fügt sein Stellvertreter Achim Winkler an. „Das Land ist auf das Thema nicht vorbereitet“, wettert dagegen Rehberg. Er sieht ähnliche Diskussionen wie bei der Windkraft voraus und hält sie auch für nötig. Das scheint das Wirtschaftsministerium ähnlich zu sehen. Zabel: „Geeignete Flächen für so große Anlagen wären am ehesten alte Deponie- oder Industrieanlagen. Ein Neubau wird nicht so einfach.“

MARCUS STÖCKLIN