Sellering lächelt sich ins Amt

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Ostsee-Zeitung l  Montag, 25. August 2008 | Mecklenburg-Vorpommern
ZUR PERSON  Sellering lächelt sich ins Amt

Eine Ära geht zu Ende. Die SPD nominierte gestern Erwin Sellering zum Nachfolgekandidaten für Harald Ringstorff. Der Ministerpräsident tritt am 3. Oktober zurück.

Güstrow (OZ) Vor der Kür kommt die Pflicht.......Nicht ein Wort verlor Sellering zum Partei-Streit um das geplante Steinkohlekraftwerk Lubmin. Dies sollte sich rächen. Denn überraschend meldete sich das ehemalige SPD-Vorstandsmitglied Karin Kaspar aus Vorpommern zu Wort, um eine klare Haltung Sellerings einzufordern. Dieser wiegelte ab. „ Ich bleibe bei meinem Spagat“, so Sellering. Klartext: Die SPD fordere zwar eine Halbierung der Kraftwerksleistung, wolle aber zunächst das Genehmigungsverfahren abwarten. .... 
Der Schlittschuhläufer
Nicht jedes Problem lässt sich weglächeln. Das wird auch Erwin Sellering bald merken. Der künftige Regierungschef ist kurz davor, das höchste Amt im Land fast spielerisch zu erobern. Sein Lächeln, von dem niemand genau weiß, was sich wirklich dahinter verbirgt, hat ihm dabei sicherlich geholfen. Der 58-Jährige gilt als umgänglich, kompromissbereit und mannschaftsorientiert. Zweifellos förderliche Eigenschaften für die Karriere eines Politikers. 
Doch das allein ist eben nicht alles. Denn immer, wenn es bislang galt, Kante zu zeigen, verschwamm Sellerings Profil zu einer nicht fassbaren Chimäre. Als die SPD im Frühjahr bei Landratswahlen in Vorpommern dramatisch absackte, schwieg der Mann aus Greifswald viel zu lange. Seine Haltung zum umstrittenen Steinkohlekraftwerk Lubmin ist ebenso windelweich wie seine Meinung zur Kreisgebietsreform. 
Im politischen Schwerin hat sich Sellering den Ruf des ewig Lavierenden zugezogen. Ein SPD-Chef und Sozialminister, der es jedem recht machen will und beliebig hin und her schlingert. Spitzname: der Schlittschuhläufer. Seine beinahe programmatische Kernaussage gestern in Richtung Lubmin-Kritiker: „Ich bleibe bei meinem Spagat.“ Dennoch wäre es verfrüht, Sellering in eine Schublade zu stecken. Seine Position als Thronfolger war fragil. Bis zuletzt ließ es Ringstorff offen, ob und wann er aus dem Amt scheiden würde. Bis zuletzt musste der SPD-Chef um Zustimmung aus den eigenen Reihen buhlen. Da ist es schwer, Farbe zu bekennen. 
Nach seiner gestrigen Nominierung hätte Sellering die Chance gehabt, ein erstes Signal zu setzen. Diese Chance hat er vertan. Man darf gespannt sein, ob er sich als Ministerpräsident ändern wird. Andernfalls dürfte er es sehr schwer haben, 2011 gegen CDU-Konkurrent Lorenz Caffier zu bestehen. Der Innenminister gilt als eigenwillig und kantig – ein Typ wie Ringstorff eben.