Wege aus dem Erdgas

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Ostsee-Zeitung l Mittwoch, 07. Januar 2009 | Meinung
Wege aus dem Erdgas

Von RÜDIGER WENZEL 

Wer sich von Monopolisten abhängig macht, macht sich auch erpressbar. Das zeigt sich aktuell beim Erdgas nicht zum ersten Mal. Selbst wenn es dem Gas-Riesen Gazprom tatsächlich nur ums Geld geht und er nur im Streit mit der Ukraine liegt, so nutzt – man kann auch sagen: missbraucht – der russische Energiekonzern die Abhängigkeit auch seiner süd- und westeuropäischen Kunden: Indem er die Gaslieferungen in diese Länder drosselt, bringt er die Regierungen dazu, Druck auf die Ukraine auszuüben.

Nicht von der Hand zu weisen ist auch der Verdacht, dass die Regierung in Kiew die Schlüsselstellung ihres Landes im Erdgas-Pipelinenetz nach Europa genauso ge- oder missbrauchen will: Ein bisschen Drehen an den Reglern, schon erzeugen die Regierungen im Westen und die EU- Kommission den Druck auf Russland, um den der ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko schon Tage zuvor in Brüssel und in Tschechien, der neuen EU-Ratspräsidentschaft, gebeten hatte. Mit Sicherheit wird auch diesmal die Lösung des Streits zwischen Gazprom und Kiew nicht lange auf sich warten lassen. Schließlich braucht der russische Konzern das Geld genauso wie wir – und noch mehr die Ukraine – das Erdgas. Eines aber ist klar: Jede Regelung des aktuellen Konflikts ist für unsere Energieversorgung nur eine Zwischenlösung. Deutschland, ganz Europa muss sich unabhängiger machen vom russischen Erdgas – ohne sich in neue Abhängigkeiten von anderen Monopolisten zu begeben. Daran ändert auch eine Ostsee-Pipeline nichts, selbst wenn sie Erpressungsversuche Dritter unmöglich macht.

Für die Freunde des Atomstroms ist das alles Wasser auf ihre Mühlen. Bei der Uran-Versorgung droht kein vergleichbares Monopol wie beim Erdgas. Gleichwohl macht das die Atommeiler nicht weniger gefährlich. Es löst auch nicht die Probleme rund um die sichere Endlagerung des tödlich giftigen Atommülls.

Vor allem aber kann die Kernkraft das Erdgas nur bei der Stromerzeugung ersetzen, nicht bei der Gebäudeheizung. Und dafür wird die Hälfte des Gases aus Russland genutzt. Konsequente Wärmedämmung auch der Altbauten, verstärkte Nutzung der Sonne zur Heizung und Warmwasserbereitung – all das kann den Erdgasverbrauch und damit die Abhängigkeit von Gazprom & Co erheblich senken. Das zweite Konjunkturprogramm der Bundesregierung könnte da mit entsprechender Förderung zwei Ziele gleichzeitig erreichen.