Widerstand gegen Kohlekraftwerk - Nagelprobe

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Ostsee-Zeitung l Wochenendausgabe, 27. September 2008 | Politik l 201 Wörter
Widerstand gegen Kohlekraftwerk - Nagelprobe

Seit Jahren werden in Deutschland regenerative Energien gefördert. Hersteller und Betreiber von Windkraft- und Solaranlagen freuen sich über Subventionen. Hausbesitzer werden belohnt, wenn sie ineffiziente Heizungen ersetzen, Wände dämmen. Fazit: All dies, der drohende Klima-Kollaps und explodierende Energiepreise sorgen dafür, dass immer mehr Deutsche zu Umweltschützern und Energiesparern werden.

Auf der anderen Seite plant Dong Energy ein Zwei-Milliarden-Euro-Kraftwerk, das Steinkohle verfeuert, die zuvor um den halben Globus geschippert werden muss. Zugleich wird auf die Nutzung der entstehenden Abwärme verzichtet und lieber der Greifswalder Bodden beheizt. Abgase, Feinstäube und Lärm bedrohen eine sich gerade entwickelnde Tourismusbranche und höchst sensible Naturräume. Da scheinen fast 9000 Einwendungen gegen das Großprojekt nur folgerichtig. Schließlich hat die Volksinitiative „Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin“ mittlerweile über 60 000 Unterschriften zusammengetragen. Und damit die größte Bürgerbewegung der Region seit der Wende begründet. Und die Landesregierung? Verzögert, mauert, verharmlost. Schwerin lässt Bauanträge von Ministerien zuarbeiten, Gutachten frisieren, Proteste verhindern. Jedoch: Der Umgang mit diesem höchst umstrittenen Projekt und den Argumenten seiner Gegner – das könnte die größte Herausforderung für den künftigen Ministerpräsidenten werden.

Bericht auf Seite 1 -  8900 Einwendungen gegen Kraftwerk

THOMAS LUCZAK