„Biogas ist eine begrenzte Energiequelle“

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Ostsee-Zeitung l Donnerstag, 23. Oktober 2008 | Wirtschaft l 490 Wörter
„Biogas ist eine begrenzte Energiequelle“

Nawaro-Chef Pratsch über bezahlbare Energie, Monokultur und Investoren

Güstrow (OZ) Der Energiebedarf weltweit wird bis 2030 um rund 65 Prozent ansteigen. Eine nachhaltige, sichere und bezahlbare Versorgung könne nur ein Mix aus klassischen und erneuerbaren Energien gewährleisten, waren sich die Fachleute am Dienstag in Güstrow bei dem 1. Wirtschaftstreff der Marketing-Initiative Rostock, Güstrow, Bad Doberan einig. Dabei war auch Dr. Eckhard Pratsch, Direktor der Nawaro Engineering GmbH. Die Leipziger Firma errichtet in Güstrow eine Biogas-Produktion mit einer Jahreskapazität von 46 Millionen Kubikmetern. Die weltgrößte Anlage ihrer Art. Die OZ sprach mit dem 55-jährigen Manager.

OZ: Kann die industriemäßige Herstellung von Biogas helfen, den Energiehunger zu stillen?

Pratsch: Nur begrenzt. Auch wenn wir soviel Biogas in Erdgas-Qualität erzeugen werden, dass eine Stadt mit 55 000 Einwohnern versorgt werden kann, stehen die nötigen Ressourcen nicht unendlich zur Verfügung.

OZ: Im Gegensatz zu fossilen Energieträgern lassen sich nachwachsende Rohstoffe reproduzieren. Warum die Einschränkung?

Pratsch: Biogas-Produktion ist nur dann wirtschaftlich, wenn die Transportkosten im Rahmen bleiben. Für Güstrow heißt das, die Biostoffe müssen innerhalb eines Umkreises von 50 

Kilometern angebaut und angeliefert werden.

OZ: Wird dieses Areal ausreichen, um den Bedarf zu decken?

Pratsch: 60 Prozent der Lieferungen haben wir vertraglich gesichert. Das war die Mindestmarke, sonst wäre die Finanzierung geplatzt. Wir glauben, dass wir bis zur vollen Auslastung der Anlage im Frühjahr 2010 alles unter Dach und Fach haben. Auch weil wir die Struktur der Biostoffe verändert haben. In unserer ersten Anlage in Penkun verstromen wir zu 90 Prozent Mais und zu zehn Prozent Gülle. In Güstrow werden es 70 Prozent Mais und 30 Prozent Gras- und Ganzpflanzensilage sowie Zwischenfrüchte und Hirse sein. Auf Gülle verzichten wir hier ganz.

OZ: Kritiker sagen, mit der großen Anlage würde Monokultur in der Landwirtschaft befördert.

Pratsch: Für alle pflanzlichen Stoffe, die wir in Güstrow benötigen, wird ein Prozent der Agrarnutzfläche in Mecklenburg-Vorpommern beansprucht. Bei Mais sind es zehn Prozent. Wir forschen daran, auch Zuckerrüben einsetzen zu können. Das Problem ist, diese halten sich unverarbeitet nicht so lange wie Mais- Silage. Diese kann bis zu drei Jahre lagern, ohne Energieverlust.

OZ: Wie sehr kollidieren Biostoffe für die Gasgewinnung mit der Nahrungsmittelproduktion?

Pratsch: Mit den Großanlagen in Penkun und Güstrow wird die Nahrungsmittelproduktion nicht beeinträchtigt. Jedoch wäre eine weitere Anlage von dieser Größenordnung in Mecklenburg- Vorpommern problematisch.

OZ: Was reizt Privatinvestoren, 100 Millionen Euro in eine industrielle Biogasanlage zu stecken?

Pratsch: Wir möchten zu einer zukunftsträchtigen Energieversorgung beitragen. Biogas ist in der Kohlendioxid-Bilanz neutral. Zudem hat die industriemäßige Produktion den Vorteil, im Dreischicht-Betrieb so viel Biogas herzustellen, dass die Mengen für große Versorger interessant sind. Interview:

THOMAS SCHWANDT