Der deutsche Strommarkt

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Frontal 21: Der deutsche Strommarkt
(Auszug aus der Sendung vom 04.03.2008 zum Strommarkt)

Insgesamt wollen die Konzerne laut BUND in den nächsten Jahren 28 neue Kohlekraftwerke bauen. Ohne diese Neubauten drohten Blackouts und Engpässe, hatte RWE-Chef Jürgen Großmann jüngst gewarnt. "Mittlerweile reicht bereits das Zusammentreffen eines trockenen heißen Sommers mit wartungsbedingten Ausfällen weiterer Kraftwerke, um die Versorgungssicherheit zu gefährden. Hier drohen im europäischen Netz mehrtägige Stromausfälle schon in diesem Jahr, die auch Deutschland hart treffen können", sagte er der

Bild-Zeitung.

Ein "interessensgeleiteter Alarmruf" sei das, schimpft Wolfram König, Präsident des

Bundesamts für Strahlenschutz: "Hier stehen kurzfristige ökonomische Interessen des

Unternehmens im Vordergrund, nicht die mittel- und langfristige Versorgungssicherheit."

Schließlich hätte Deutschland vergangenes Jahr sogar 19 Terawattstunden Strom exportiert -

so viel wie selten zuvor. Und das, obwohl mehrere Kernkraftwerke nicht am Netz gewesen

seien und damit 27 Terawattstunden Strom weniger produziert wurden. Eine Terawattstunde

entspricht einer Milliarde Kilowattstunden, also dem Stromverbrauch von rund 625.000 Ein-

Personen-Haushalten im Jahr.

Mittlerweile steht RWE-Chef Großmann mit seiner Warnung vor Blackouts bei fehlendem

Kohlekraftwerksneubau ziemlich allein auf weiter Flur. Im Frontal21-Interview muss der

RWE-Sprecher Volker Heck die Aussage seines Chefs relativieren: "Das heißt aber nicht, dass

wir gesagt haben, in 2008 wird der Strom ausfallen, wir haben nur darauf hingewiesen, dass

auch in ruhigen Jahren mittlerweile schon die Situation enger wird, als das noch vor ein paar

Jahren der Fall gewesen ist." Und warum nun soll die Situation enger geworden sein, obwohl

Deutschland so viel Strom exportiert wie selten zuvor? Ganz einfach: Der Strom gehe im

europäischen Binnenmarkt eben dahin, "wo der höchste Preis gezahlt wird", so Heck - zum

Beispiel nach Frankreich, wo den Atomkraftwerken in heißen Sommern gelegentlich das

Kühlwasser ausgeht.