Geplantes Kraftwerk in Lubmin

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Ostsee-Zeitung l Dienstag, 04. März 2008 | Leserforum l 398 Wörter
Geplantes Kraftwerk in Lubmin

Chance oder Katastrophe für die Region?
Olaf Gustav aus Stralsund zum geplanten Kraftwerk in Lubmin:

Das in Lubmin geplante (Stein-)Kohlekraftwerk wäre ein Lichtblick in Bezug auf die Ansiedlung moderner Industrie mit all ihren Vorteilen: Arbeitsplätze, Magnet für Zulieferer usw. In heutigen Braunkohlekraftwerken wird ein vielfach dreckigerer Brennstoff verwendet, der zudem in umweltzerstörerischen Tagebauen gefördert wird. Trotzdem ist der Staubgehalt der Abluft aus dem Kraftwerk geringer als der der Umgebungsluft. Bezogen auf das in Lubmin geplante Werk bedeutet das, dass die Luft im Kraftwerksprozess sogar noch gereinigt wird. Die Touristen werden also niemals Staub von ihren Wohnwagen wischen müssen. Außer, BHKWs (Blockheizkraftwerke, d. Red.) kommen, die besitzen aus Kostengründen keine Rauchgasfilter. Für mich bedeutet dieses Theater: Ich gehe nach Abschluss meines Studiums in den Westen, weil es da Industrie gibt. Ich studiere übrigens regenerative Energietechnik, bin also kein Lobbyist.

G.-D. Schmidt, Rostock:
Es darf nicht sein, dass in unserer Region ein neues Kraftwerk gebaut wird, das einen Wirtschaftszweig – den Tourismus – zumindest in ziemliche Schwierigkeiten bringen wird. Die ständige Debatte um den Bau sorgt auf jeden Fall dafür, dass die Urlauber gewarnt sind. Also werden viele das Handtuch werfen.

Simone Janke, Stralsund:
Ich sehe den Bau der Kraftwerksanlagen in unserem schönen touristisch genutzten Land als Chance für die Zukunft, um auch hier ein wenig Industrie anzusiedeln. Ich hoffe darauf, dass das Kraftwerk weitere Unternehmen animieren wird, sich hier niederzulassen und somit Arbeitsplätze zu schaffen. Unser Land braucht ein industrielles Standbein. Ein Baustein dazu ist das Steinkohlekraftwerk in Lubmin. Die 200 Demonstranten in Stralsund stehen nicht für ganz MV. Und von Natur und Tourismus allein können wir nicht leben.

Lothar Steinhäuser, Greifswald:
Wer den Vorbescheid des StAUN (Staatliches Amt für Umwelt und Natur, die Red.) Stralsund gelesen hat, muss sich schon wundern, dass den zwei kümmerlichen Auflagen bezüglich Vogelflug-Korridor über dem Kraftwerk und Lockwirkung von Beleuchtung auf Insektenarten 27 Komplexe nachzureichender Unterlagen mit zum Teil gravierender Bedeutung für die Auswirkungen auf Natur und Umwelt gegenüberstehen. Noch eindrucksvoller ist die Liste der behandelten Einwendungskomplexe, die eines klarstellt: Alles, was im Immissionsschutzgesetz nicht ausdrücklich und wörtlich verboten ist, steht der Erteilung des Vorbescheides nicht entgegen. Alle Abwägungen und Einschätzungen sind dort im Zweifelsfall zugunsten des Antragstellers getroffen.